Ärzte Zeitung online, 19.01.2011

Trotz Statin-Therapie: Niedriges HDL-Cholesterin bleibt ein Risikofaktor

Niedrige HDL-Cholesterinspiegel bleiben ein kardiovaskulärer Risikofaktor - egal, ob die Patienten gleichzeitig eine Statintherapie zur Senkung des LDL-Cholesterins erhalten oder nicht, so das Ergebnis einer umfangreichen Metaanalyse.

BOSTON (ob). Statine senken nachweislich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine Garantie auf Schutz vor solchen Ereignissen können sie aber nicht bieten: Trotz Normalisierung der erhöhten LDL-Cholesterinspiegel bleibt ein "Restrisiko" bestehen, das zumindest partiell durch andere Lipidanomalien bedingt sein könnte.

Viele glauben allerdings, dass bei einer deutlichen Senkung des LDL-Cholesterins mit Statinen andere Lipidfaktoren an Bedeutung verlieren. Das scheint aber nach den Ergebnissen einer neuen Metaanalyse nicht der Fall zu sein.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Richard Karas aus Boston hat für diese Analyse Daten aus 20 randomisierten kontrollierten Studien zusammengetragen, denen ein Gesamtbeobachtungszeitraum von 543.210 Personenjahren zugrunde liegt (Ann Int Med 2010; 153: 800).

In dieser Zeit waren insgesamt 7838 Myokardinfarkte aufgetreten. Geklärt werden sollte, ob die epidemiologisch gut dokumentierte Assoziation von niedrigen HDL-Cholesterinspiegeln mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko durch eine Statin-Behandlung beeinflusst wird oder nicht.

Ergebnis: Es macht keinen Unterschied. Auch bei mit Statinen behandelten Patienten nahm unabhängig vom erreichten LDL-Cholesterinwert mit sinkenden HDL-Werten das Herzinfarktrisiko zu. Mit jeder Abnahme des "guten" HDL-Cholesterins um 10 mg/dl stieg die Zahl der Myokardinfarkte um 7,1 pro 1000 Patientenjahre.

In der Kontrollgruppe ohne Statin-Behandlung waren es 8,3 mehr Myokardinfarkte pro 1000 Patientenjahre. Der Unterschied zwischen Statin- und Kontrollgruppe ist nicht signifikant.

Nach diesem Ergebnis scheint ein niedriger HDL-Cholesterinspiegel zumindest eine Teilerklärung für das unter Statin-Behandlung bestehende kardiovaskuläre "Restrisiko" zu sein, so die Autoren. Das spräche wiederum dafür, eine Erhöhung des HDL-Cholesterins therapeutisch anzustreben.

Ob diese Strategie im Zeitalter der Statine tatsächlich zu einer Reduktion von Morbidität und Mortalität führt, wird derzeit in zwei großen klinischen Studien (AIM-HIGH und HPS-2-THRIVE) geprüft, in denen die Patienten zusätzlich zum Statin ein Niacin-Präparat erhalten.

Die AIM-HIGH-Ergebnisse werden für 2012 erwartet. Ergebnisse der HPS-2-THRIVE-Studie, in der eine im Präparat Tredaptive® enthaltene Kombination der Wirkstoffe Nicotinsäure und Laropiprant - letzterer dient der Suppression von Flush-Episoden - geprüft wird, sollen 2013 vorliegen.

Lesen Sie dazu auch:
Kontroverse über den Stellenwert der Statine in der Primärprävention

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