Ärzte Zeitung online, 31.03.2011

Late Breaking Trials: Die heißen Themen beim ACC-Kongress

Am kommenden Samstag, den 2. April, beginnt in New Orleans der diesjährige Kongress des "American College of Cardiology" (ACC). Die Pipeline der erwarteten "Late Breaking Clinical Trials" ist diesmal nicht ganz so prall gefüllt wie im Vorjahr. Thematisch dominierend bei den "heißen" Studien ist die interventionelle Kardiologie.

NEW ORLEANS (ob). Schon am Sonntag werden die Ergebnisse der möglicherweise wichtigsten Studie des ganzen Kongresses vorgestellt. In der PARTNER-Studie steht erneut die minimal-invasive Implantation von Aortenklappen mittels Herzkatheters - auch Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) genannt - als innovative Therapie bei Patienten mit schwerer Aortenstenose. auf dem Prüfstand.

Bei dieser Methode wird eine biologische Herzklappe, die auf einem Herzkatheter montiert ist, bis zur defekten Aortenklappe vorgebracht und dort bei schlagendem Herzen fixiert.

Schon Ende letzten Jahres sind erste Ergebnisse der PARTNER-Studie (Kohorte B) veröffentlicht worden. In diesem Teil der Studie ist die neue Methode bei Patienten mit schwerer Aortenstenose geprüft worden, bei denen eine Operation aufgrund bestehender Risiken inakzeptabel erschien.

Sie sind entweder mit dem TAVI-Verfahren (Sapien-Klappe von Edwards Lifesciences) behandelt worden oder erhielten die übliche medikamentöse Standardtherapie (einschließlich Ballonaufdehnung).

Während nach einem Jahr in der in konventioneller Weise behandelten Gruppe jeder zweite Patient gestorben war (50,7 Prozent), betrug die Gesamtsterberate in der TAVI-Gruppe 30,7 Prozent. Die Gesamtsterberate wurde relativ um 45 Prozent reduziert.

Beim ACC-Kongress werden jetzt die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Studienkohorte A präsentiert. Sie umfasst knapp 700 Hochrisiko-Patienten mit Aortenstenose, die als geeignet für einen operativen Eingriff eingestuft wurden.

Sie sind randomisiert entweder einer TAVI-Behandlung oder einer Klappenersatz-Operation zugeteilt worden. Ziel ist, anhand der Ein-Jahres-Sterberate die "Nicht-Unterlegenheit" der TAVI-Methode zu beweisen.

Auch bei schwerer Mitralklappeninsuffizienz steht inzwischen eine kathetergestützte Behandlungsoption zur Verfügung. Dabei wird mithilfe eines neuartigen "Clips" die Undichtigkeit der Klappen beseitigt, indem die beiden Segel miteinander fixiert werden.

In der EVEREST-II-Studie ist die neue Methode mit der konventionellen Herzoperation verglichen worden. Noch fehlen Daten zu längerfristigen Funktionsfähigkeit des Mitralklappen-Clips. Auskunft darüber könnten die Zwei-Jahres-Ergebnisse der EVEREST-II-Studie geben, die am Montag vorgestellt werden.

Auswirkungen auf die tägliche kardiologische Praxis könnte auch - je nach Ergebnis - die RIVAL-Studie haben. In dieser Studie geht es um Klärung der Frage, welcher der optimale Zugangsweg für die Koronarangiografie oder perkutane Koronarintervention ist.

Bei mehr als 7000 Patienten mit akutem Koronarsyndrom ist der Zugang über die Femoralarterie in der Leiste mit dem Zugang über die Arteria radialis am Arm verglichen worden. Zielkriterien sind dabei "harte" Endpunkte wie Tod oder Herzinfarkt sowie Blutungen innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Akutereignis.

Erst in der letzten von vier "Late Breaking Trials Sessions" kommen am Dienstag auch Studien zur medikamentösen Therapie zum Zug.

Darunter ist auch die MAGELLAN-Studie, in der Wirksamkeit und Verträglichkeit des Faktor-Xa-Hemmers Rivaroxaban in der Thromboembolie-Prophylaxe bei Patienten mit akuten internistischen Erkrankungen im Vergleich mit Enoxaparin geprüft worden sind.

In zwei japanischen Studien steht die Wirksamkeit antihypertensiver Therapieregime bei älteren Patienten mit Bluthochdruck und hohem kardiovaskulären Risiko sowie bei Hypertonikern mit gestörter Glukosetoleranz im Blickpunkt

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