Ärzte Zeitung online, 24.07.2011

Mediastinitis-Therapie ohne Standards - Register soll es ändern

NEU-ISENBURG (eb). Für Patienten mit einer postoperativen Mediastinitis gibt es bisher keine standardisierte Therapieschemata. Um dies zu ändern, hat die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) Anfang Juli ein Register gestartet.

Die postoperative Wundinfektion ist eine seltene Komplikation nach Durchtrennung des Brustbeines im Zusammenhang mit einer Herz- oder Lungenoperation. Die oft langwierige Therapie bei Mediastinitis ist aufwendig und kostenintensiv.

Aufgrund der geringen Zahl betroffener Patienten und der bisher uneinheitlichen Nomenklatur und Erfassung gibt es bis heute kaum standardisierte Therapieschemata, teilt die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) mit.

Um dies zu ändern, zukünftig bundesweit Patienten mit postoperativer sternaler Wundinfektion zu erfassen und das Auftreten dieser Infektion noch weiter zu minimieren, hat die DGTHG ein Mediastinitis-Register eingerichtet, das Anfang Juli startete.

"Ziel des Registers ist es, die genaue Inzidenz dieser Erkrankung nach herzchirurgischen Eingriffen zu ermitteln und detaillierte statistische Auswertungen der Patientendaten inklusive der Risikofaktoren vorzunehmen", wird DGTHG-Präsident Professor Friedrich Wilhelm Mohr aus Anlass der Einrichtung des Registers zitiert.

Mohr: "Damit können dann die bisherigen Behandlungsstrategien differenziert bewertet, Therapien besser standardisiert und vorbeugende Hygienemaßnahmen genauer analysiert werden"

Die Teilnahme an dem Register ist freiwillig. Bis jetzt hätten mehr als 20 der 80 herzchirurgischen Zentren in Deutschland ihre Teilnahme an dem Register fest zugesagt, so die DGTHG. Jede teilnehmende herzchirurgische Einrichtung kann die Patientendaten direkt online über eine verschlüsselte Verbindung erheben.

Zudem hat jede teilnehmende Institution Zugriff auf den anonymisierten Datenbestand, um Verbesserungen der klinikeigenen Therapien auf Basis der Registerdaten vornehmen zu können. Der Öffentlichkeit sollen die ersten Erkenntnisse aus dem Register zur 41. DGTHG-Jahrestagung im Februar 2012 präsentiert werden.

"Die deutlich höhere Repräsentativität von Registern und die im Vergleich zu kontrollierten Studien bessere Abbildung der klinischen Realität ermöglicht umfassendere Aussagen. Auf der Grundlage positiver Erfahrungen der von der DGTHG bereits vor Jahren initiierten Register und dem aktuell im Juli 2010 begonnenen Deutschen Aortenklappenregister haben wir bewusst erneut die Registerstudie als Forschungsinstrument gewählt", so Mohr.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 950 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

www.dgthg.de

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