Ärzte Zeitung, 12.08.2011

Hauchdünnes Messgerät wird auf die Haut geklebt

WASHINGTON (dpa). US-Forscher haben eine Art elektronische Haut entwickelt, mit deren Hilfe künftig Daten über die Muskelaktivität oder den Herzschlag des Menschen gemessen werden sollen. Die hauchdünnen, flexiblen Materialien befinden sich zwischen zwei Schutzschichten, haften wie ein Abzieh-Tattoo für Kinder an der Haut und passen sich Bewegungen an.

Hauchdünnes Messgerät wird auf die Haut geklebt

Wie ein Tattoo wird die "elektronische Haut" zwischen zwei Schutzschichten auf die Haut gebracht und passt sich jeder Bewegung an. Bild: John A. Rogers

© dpa

Die Idee für die Zukunft ist, Krankenhaus-Patienten bei langwierigen Messungen, etwa der Funktion des Herzens oder des Gehirns, eine Verkabelung mit größeren Geräten zu ersparen. Die Technologie lasse die Unterscheidung zwischen Elektronik und Biologie verschwimmen, sagten die Forscher.

Den Angaben zufolge war das Häutchen am Arm, Nacken, Stirn, Wange oder Kinn für bis zu 24 Stunden und mehr einsatzfähig. Das Team unternahm Tests und ließ zum Beispiel die elektrische Aktivität des Herzens mithilfe des Mini-Messgeräts aufzeichnen, ähnlich einem EKG.

"Elektro-Tattoo"

Die aufgezeichneten Werte hätten denen entsprochen, die zeitgleich mit herkömmlichen Methoden gemessen wurden, hieß es. Auch klebten die Forscher das "Elektro-Tattoo" auf die Haut am Hals und zeichneten die Aktivität der Muskeln auf, wenn verschiedene Wörter gesprochen wurden.

Die Übermittlung der Signale lief bei der Elektrohaut bislang über feine Kabel, der Schwerpunkt der Forschung lag zunächst auf der Entwicklung geeigneter Materialien. Forschung zur kabellosen Informationsübertragung und Energieversorgung des winzigen Messgeräts sollen folgen.

Sensoren, Transmitter, Leuchtidioden und Solarzellen

Bestandteile der Mini-Elektronik sind wellenförmig angelegt und sitzen demnach auf elastischem Polyester, das mechanischen Eigenschaften der Haut entspricht und dieser anhaftet. Zum System gehören unter anderem Sensoren, Transmitter, Leuchtdioden und Solarzellen. Die Forscher klebten die Messgeräte auch mit Hilfe eines abziehbaren Piraten-Tattoos auf die Haut.

Ursprünglich wurde die Technik für die Robotik entwickelt, heißt es in einem Begleittext in "Science". Drucksensoren auf den Häutchen sollten zum Beispiel Signale übertragen, um etwa Greifarmen zu übermitteln, wie fest sie zugreifen dürfen. Somit könnte das "Elektro-Tattoo" womöglich auch bei Prothesen zum Einsatz kommen.

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