Ärzte Zeitung, 15.11.2011

Infarktvorsorge auf dem Zahnarztstuhl

Nicht nur die Zähne profitieren von regelmäßiger professioneller Zahnreinigung. Auch auf Herz und Gefäße scheint sich die Prophylaxe günstig auszuwirken.

Professionelle Zahnreinigung hält auch Herz und Gefäße gesund

Manche Zahnbeläge findet nur der Profi.

© maennerbeiderarbeit / fotolia.com

ORLANDO (ob). Auch wer seine Zähne mit der Bürste noch so oft und gut putzt, wird nie alle Ablagerungen entfernen können. Manche Stellen im Mundraum sind so nur schwer oder gar nicht zu erreichen.

Gegen die sich bildenden Ablagerungen hilft da nur eine professionelle Zahnreinigung mit Entfernung sowohl des oberhalb des Zahnfleisches als auch in Zahnfleischtaschen gelegenen Zahnbelags.

Schlechte Mundhygiene mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert

Nach epidemiologische Beobachtungen ist eine schlechte Mundhygiene, deren Folge chronische Entzündungsprozesse im Zahnbereich sind, mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert.

Demnach könnte umgekehrt eine konsequente Mundpflege inklusive professioneller Zahnreinigung, die das Wachstum entzündlich wirksamer Bakterien reduziert, dieses Risiko womöglich senken.

Studie mit Daten von mehr als 100.000 Einwohnern Taiwans

Genau das scheinen Ergebnisse einer Studie von Forschern aus Taiwan jetzt zu bestätigen, die Dr. Zu-Yin Chen aus Taipei beim Kongress der American Heart Association (AHA) in Orlando vorgestellt hat.

Grundlage ihrer Studie bildeten die in einer nationalen Datenbank gespeicherten Gesundheitsdaten von mehr als 100.000 Einwohnern Taiwans.

Die Hälfte von ihnen hatte mindestens einmal oder häufiger eine professionelle Zahnreinigung in Anspruch genommen, die andere Hälfte dagegen ganz darauf verzichtet.

Niedrigeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Der Beobachtungszeitraum betrug im Schnitt sieben Jahre. Festgestellt wurde, dass Personen, die ihren Zähnen mehr als nur das tägliche Bürsten als Pflege gönnten, ein relativ um 24 Prozent niedrigeres Herzinfarktrisiko hatten als Personen der zahnpflegefaulen Vergleichsgruppe.

Das Schlaganfallrisiko lag im Vergleich um 13 Prozent niedriger.

Die Forscher beobachteten auch eine gewisse "Dosis-Wirkung"-Beziehung: Häufigere Zahnreinigungen (mindestens zweimal oder öfter in zwei Jahren) waren mit einer stärkeren Risikoreduktion assoziiert.

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[16.11.2011, 09:45:03]
Wolfgang Schmid 
Frage nach der Kausalität
Wie Dr. Keibel darlegt, stellt sich die Frage der Kausalität.
Leider wird im Artikel nicht näher auf die Inhalte der Studie eingegangen.

Richtig ist, dass sowohl Parodontitis als auch Herz-Kreislauserkrankungen mit entzündlichen Vorgängen an Grenzflächen (z.B. am Parodontium oder Endothel) in Verbindung gebracht werden. Eine Korrelation besteht, dazu gibt es inzwischen zahlreiche Studien.

z.B. M S Tonetti et al.: Treatment of Periodontitis and Endothelial Function; N Engl J Med (2007) 356: 911-920 - Zahnmedizin Report, Ausgabe 4/2007, Seite 3. Hier wird eine kausale Verbindung Parodontistherapie -> Infarktvorsorge beschrieben (beurteilt durch die Messung des Durchmessers der Arteria brachialis während des Blutflusses/der flussvermittelten Dilatation), inflammatorische Biomarker, Gerinnungsmarker sowie Marker der Endothelaktivierung.

Das kann man sich auch vorstellen, schließlich sind die chronischen Entzündungsherde im Mund nur ca. 25 cm vom Herzmuskel entfernt. Ob es aber kausal auch andersherum funktioniert: Herzvorsorge -> gesunder Zahnhalteapparat? Auch da gibt es Hinweise, auf entsprechende Studien darf man gespannt sein.

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[15.11.2011, 17:06:19]
Dr. Andreas Keibel 
Ob das aber an der Zahnreinigung liegt...
.... bleibt mal dahin gestellt.
Vielmehr könnte es daran liegen, dass jene Personen, welche sich von ihrer Gesinnung her gesundheitsbewußt einer Zahnreinigung unterziehen auch gesundheitsbewußter ernähren und einfach besser mit ihrem Körper umgehen. Das geht aus diesem Artikel gar nicht hervor.

Das ist so wie mit Autos, auf deren Beifahrerseite eine Handtasche liegt, von denen weniger tödliche Unfälle ausgehen.
Das liegt auch nicht an der Handtasche,
sondern daran, dass Frauen statistisch etwas ängstlicher und damit vorsichtiger fahren.

Interessant wäre die Studie, wenn die Ausgangsgruppe alle stets Professionelle Zahnreinigung betrieben hätten, und man der Vergleichsgruppe diese entzogen hätte.

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