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Ärzte Zeitung, 24.11.2011

Statine überzeugen auch auf langer Distanz

OXFORD (ob). Das Krebsrisiko steigt nicht, tödliche Erkrankungen nehmen nicht zu - auch langfristig sind Statine in der Cholesterinsenkung eine sehr sichere Sache. Das zeigen neue Studiendaten aus England.

Statine sind auch auf lange Sicht eine sichere Therapie

Fall für Statine: Koronar-Plaque im Radiofrequenz-Ultraschall.

© Dr. A. König / AG IVUS

Statine haben die medikamentöse Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen revolutioniert.

Die Studien, die den prognostischen Nutzen dieser potenten Lipidsenker dokumentieren, haben aber bestenfalls eine Laufzeit von fünf Jahren.

Zusammenhang zwischen starker Cholesterinsenkung und Krebs vermutet

Es gab Befürchtungen, dass starke Cholesterinsenkung auf längere Sicht die Entwicklung von nicht vaskulär bedingten Erkrankungen wie Malignome begünstigen könnte.

Ergebnisse aus Beobachtungsstudien legten etwa eine Assoziation von sehr niedrigen LDL-Cholesterinwerten mit einem erhöhten Risiko für maligne Erkrankungen nahe.

HPS-Studie ausgewertet

Suggeriert wurde etwa eine Zunahme von kolorektalen Karzinomen. Methodische Schwächen dieser Studien erlauben aber keine endgültigen Schlussfolgerungen.

Für eine zuverlässige Beurteilung bedarf es aber der Daten aus prospektiven randomisierten Studien. Solche Daten zur langfristigen Sicherheit von Statinen legen jetzt die Autoren der HPS-Studie (Heart Protection Study) vor (Lancet 2011; online).

Gesamtbeobachtungsdauer beträgt nun elf Jahre

Zur Erinnerung: In HPS sind 20.500 Patienten mit erhöhtem vaskulären Risiko etwas mehr als fünf Jahre lang mit Simvastatin (40 mg/Tag) oder Placebo behandelt worden.

Die Reduktion des LDL-Cholesterins um etwa 40 mg/dl verringerte die Rate kardiovaskulärer Ereignisse um knapp ein Viertel (21,0 versus 26,4 Prozent).

Nach Ende der Studie sind die Teilnehmer weitere sechs Jahre lang nachbeobachtet worden, so dass die Gesamtbeobachtungsdauer jetzt elf Jahre beträgt.

Mit Simvastatin erzielte reduzierte Ereignisrate blieb erhalten

In dieser Zeit stieg auch in der zuvor mit Placebo behandelten Gruppe der Anteil der Patienten mit verordneter Statintherapie auf knapp 85 Prozent, die LDL-Cholesterinwerte in beiden Gruppen glichen sich dadurch an.

Die in der aktiven Studienphase mit Simvastatin erzielte Reduktion der Ereignisrate blieb auch in der Folgezeit erhalten.

Infolge der Angleichung der lipidsenkenden Therapie in beiden Gruppen nach Ende der Doppelblindphase drifteten die Ereignisraten in der Folgezeit – abgesehen vom ersten Jahr – nicht weiter auseinander.

In der sechsjährigen Verlängerungsphase betrugen die Ereignisraten bei den zuvor der Simvastatin- und Placebogruppe zugeteilten Patienten 21,7 Prozent respektive 22,5 Prozent.

Kein Hinweis auf Zunahme nicht vaskulärer Todesfälle

Auch im verlängerten Beobachtungszeitraum ergaben sich nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, dass der Vorteil der verringerten kardiovaskulären Mortalität durch eine Zunahme von Krebserkrankungen oder tödlichen Erkrankungen nicht vaskulärer Genese geschmälert wurde.

In der aktiven Studienphase lagen die Raten für die nicht vaskulär bedingte Mortalität bei 5,6 Prozent (Simvastatin) und 6,0 Prozent (Placebo), in der angeschlossenen Beobachtungsphase dann bei 10,6 Prozent respektive 10,9 Prozent.

Auch die Analyse spezifischer Todesursachen einschließlich Krebs ergab keine relevanten Unterschiede.

[24.11.2011, 16:57:39]
Dr. Dr. Winfried Miller 
Wofür ein hohes LDL verantwortlich sein soll....
Und wieder eine Studie, die uns Ärzten dringend an´s Herz legt, dass grundsätzlich und pauschal jedes erhöhte LDL gesenkt werden muss.

Wo bleibt die Differenzierung?
Als ob man in den letzten Jahren nie etwas von der LDL-Differenzierung LDL1 bis LDL7 gelesen/gehört hätte. Die meisten Patienten mit erhöhten Gesamt-LDL haben dieses LDL in den Fraktion LDL1 und LDL2. Diese beiden LDL-Fraktion sind nicht atherogen, führen also nicht zu einer endothelialen Dysfunktion mit den Folgeerkrankungen Arteriosklerose (siehe Lipomun-Test). Diese Patienten profitieren nicht von einer Senkung des Gesamt-Cholesterins.

Und wo bleibt die Berücksichtigung des Einflusses einer silent-inflammation Situation? Erst wenn über viele Jahre ein chronisch erhöhtes CRP über 1,0 bis 4,5 besteht (typisch für silent-inflammation), kann ein erhöhtes LDL aus den Unterfraktionen LDL3 bis LDL7 möglicherweise eine Arteriosklerose verursachen.

"Erhöhtes Cholesterin" allein ist doch schon lange keine Indikation mehr für eine Statintherapie. Das wissen auch immer mehr unserer Patienten. Gott sei Dank!
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