Ärzte Zeitung, 11.03.2012

Gut zu Fuß - schneller aus der Klinik

Wie gut ein alter Mensch zu Fuß ist, sagt viel über die Prognose - und das sogar schon dann, wenn er in die Klinik kommt.

GALVESTON (BS). Wie lange muss ein akut kranker alter Mensch im Krankenhaus bleiben? Kann er danach wieder nach Hause entlassen werden? Abschätzen lässt sich das über die Geschwindigkeit, mit der er eine kurze Strecke zu Fuß bewältigt.

Dass das Gehtempo alter Menschen Rückschlüsse auf ihre Prognose erlaubt, belegen mehrere Studien. Viele beschränkten sich aber auf selbstständig lebende und medizinisch stabile Senioren.

Einer aktuellen Studie zufolge liefert ein Gehtest auch bei akut kranken Personen Informationen zur Prognose (Arch Intern Med 2012; 172(4): 353-358).

Die Patienten waren wegen kardiovaskulären, respiratorischen oder gastroenterologischen Erkrankungen in eine geriatrische Akutklinik eingewiesen worden.

Innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme sollten sie bei einem Gehtest aus dem Stand 2,4 Meter in ihrem üblichen Tempo zurücklegen.

Die 322 Patienten zwischen 65 und 85 Jahren hatten meist mehrere Begleiterkrankungen, aber keine Demenz. Im Mittel wurden sie 4,1 Tage stationär behandelt.

Rat zum Gehtest in der Geriatrie

Nur knapp zwei Drittel schafften den Weg mit einer mittleren Geschwindigkeit von 0,53 m/s. Nach Abgleich von Alter, Geschlecht und Alltagskompetenz korrelierte ihr Tempo mit der Dauer ihres Klinikaufenthaltes.

Patienten, die die Strecke nicht oder mit weniger als 0,4 m/s schafften, wurden 1,9 und 1,4 Tage später entlassen als Patienten mit einem Tempo von mindestens 0,6 m/s. Sie hatten auch schlechtere Chancen, nach der Entlassung in ihr Zuhause zurückzukehren.

In beiden Punkten waren die Ergebnisse des Gehtests aussagekräftiger als die selbst berichteten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten.

Die Autoren um Dr. Glenn V. Ostir aus Galveston in Texas raten bei der Klinikaufnahme geriatrischer Patienten zu einem Gehtest. Er sei sicher, keine übermäßige Belastung und könne das subjektive Urteil der Patienten durch objektive Daten ergänzen.

Ein Tempo unter 0,4 m/s bewerten die Ärzte als Indikator für einen schlechteren funktionellen Zustand und eine langsamere Regeneration.

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