Ärzte Zeitung, 06.11.2012

US-Daten

Mehr Herz-Kreislauf-Tote im Winter

LOS ANGELES (dpa). Unabhängig von den klimatischen Bedingungen sterben im Winter mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Krankheiten als im Sommer. Studiendaten dazu wurden beim AHA-Kongress vorgestellt.

Danach starben von 2005 bis 2008 an sieben US-Standorten mit verschiedenen Klimata im Winter 26 bis 36 Prozent mehr Patienten an Herzinfarkt, Herzversagen und Schlaganfällen.

Als Gründe werden außer Kälte auch Bewegungsmangel und ungesunde Kost im Winter vermutet. Kardiologen raten Risikopatienten vor dem Winter zur Grippe-Impfung, um jede Schwächung des Immunsystems zu vermeiden.

Professor Wolfgang Franz vom Universitätsklinikum München bestätigt die Beobachtungen der amerikanischen Forscher.

"Wir haben ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass Kälte ein wesentlicher Belastungfaktor für Herz-Kreislauf-Kranke ist", erklärt der Kardiologe.

"Wer im Winter draußen Schnee schaufelt, der treibt damit gezielt seinen Blutdruck hoch und die niedrigen Temperaturen führen zusätzlich zu Gefäßverengungen. Da ist der Herzinfarkt vorprogrammiert."

[07.11.2012, 11:02:59]
Dr. Johannes Scholl 
Vitamin D-Mangel ist eine wichtige alternative Erklärung für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko im Winter
Im Winter haben drei Viertel der Deutschen einen bedeutsamen Vitamin D-Mangel, da aufgrund des tiefen Sonnenstandes ca. von Oktober bis März keine Vitamin-Bildung über die Haut möglich ist. Der Höchsstand beim Vitamin D aus dem Sommer fällt bis März auf etwa die Hälfte ab.
In der LURIC-Studie aus Ludwigshafen und in Metaanalysen war ein Vitamin D-Mangel mit einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziert.
Könnte es nicht auch deshalb im Winter mehr Herzinfarkte geben? U.a. die VITAL-Studie wird dazu bis 2016 Ergebnisse liefern.
Wer im Winter keinen längeren Urlaub südlichd es 42. Breitengrades einplanen kann (also wohl die meisten...), sollte von Oktober bis März durch Supplementation mit mindestens 1000 IE Vitamin D pro Tag dafür sorgen, dass kein Vitamin D-Mangel entsteht.

Dr. med. Johannes Scholl
1. Vorsitzender der Deutschen Akademie für Präventivmedizin e.V.
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