Ärzte Zeitung online, 25.04.2014

TAVI

Die meisten Eingriffe erfolgen nach Leitlinie

Gerade für alte Herzpatienten gibt es neue, schonende Therapieverfahren. Ein Beispiel ist die TAVI bei schwerer Aortenstenose.

MANNHEIM. Die katheterbasierte Aortenklappen-Implantation (TAVI) ist ein Zusatzangebot zur Operation vor allem für alte und gebrechliche Patienten. Die Indikation wird in Deutschland Leitlinien-gerecht gestellt, erklärte DGK-Präsident Professor Christian Hamm beim Kardiologen-Kongress in Mannheim.

Während die KHK-Häufigkeit und -Mortalität abnimmt, verzeichnen Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz Zunahmen. Schuld ist die Demographie - die Häufigkeit dieser Erkrankungen steigt im Alter an.

Gerade für alte Herzpatienten bietet die Kardiologie neue und schonende Therapieverfahren an. Als Beispiel nannte Hamm die TAVI bei schwerer Aortenstenose. Über 10.000 TAVIs sind 2013 erfolgt, was einem Drittel aller Eingriffe an der Aortenklappe entspricht.

Damit sei Deutschland weltweit führend. GARY-Register erfasst schon 62.000 PatientenDie Eingriffe gingen bisher nicht zulasten der Operation, deren Zahl in etwa konstant bleibt.

Sie erfolgen unter strikter Qualitätskontrolle, so Hamm: "Unser Ziel ist es, alle Eingriffe an der Aortenklappe im weitesten Sinne im prospektiv kontrollierten Deutschen Aortenklappen-Register GARY zu erfassen".

Tatsächlich ist man auf einem guten Weg: 70 Prozent aller Eingriffe deutschlandweit werden im Register erfasst. Die weltweit einmalige Datenbank umfasst schon über 62.000 Patienten. Aber: Zehn Einrichtungen, darunter große Zentren wie Kliniken in München, Frankfurt und Dortmund, machen noch nicht mit.

Problem fehlender Langzeitdaten

Behandelt werden derzeit überwiegend alte Patienten über 80 Jahre. "Daten des Herzberichtes und des GARY-Registers zeigen, dass die meisten Patienten in Deutschland indikationsgerecht behandelt werden", so Hamm. Erstmals Mortalitäts-Benefit bei operablen Patienten

Ursprünglich ist TAVI entwickelt worden für Patienten, die operativ aufgrund eines zu hohen Risikos nicht mehr behandelt werden konnten. TAVI offerierte diesen Patienten gegenüber einem konservativen Vorgehen einen erheblichen Überlebensvorteil.

Anschließend konnte in der Studie PARTNER-A gezeigt werden, dass TAVI der offenen Operation bei noch operablen Patienten mit hohen Risiken ebenbürtige Resultate bringt. In der kürzlich beim ACC 2014 vorgestellten CORE-VALVE-Studie hatten mit TAVI behandelte gegenüber operierten Patienten sogar einen Überlebensvorteil.

Diese Patienten hatten mittlere bis hohe Risiken. Das Indikationsspektrum für das Verfahren öffnet sich damit möglicherweise einen Spalt weiter, so Hamm.

Angesprochen auf die Unterschiede zwischen beiden Studien, die unterschiedliche Klappensysteme verwendeten, erklärte Hamm: Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass sich inzwischen Technik und Verfahren weiter verbessert haben - man habe dazugelernt.

Der Hauptnachteil von TAVI besteht im Fehlen von Langzeitdaten, betonte Hamm. Deshalb ist das Verfahren für jüngere, operable Patienten nicht zu empfehlen. (DE)

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