Ärzte Zeitung, 10.04.2015

Studie zeigt

Wer gemächlich joggt, lebt länger

Joggen verlängert das Leben? Nicht unbedingt. Es kommt darauf an, wie schnell man unterwegs ist, zeigt eine aktuelle Studie. Und die "Raser" kommen dabei gar nicht gut weg.

Von Christine Starostzik

Wer gemächlich joggt, lebt länger

Joggen in gemächlichem Tempo ist gesünder als rasen, zeigt eine Studie.

© Kzenon / fotolia.com

KOPENHAGEN. In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Zahl joggender Amerikaner verzwanzigfacht. Und auch hierzulande schnüren dem Deutschen Leichtathletik-Verband zufolge etwa zehn Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren regelmäßig die Laufschuhe.

Das hat Folgen für die Gesundheit. Die Copenhagen City Heart Study hat gezeigt, dass joggende Männer ihr Leben um 6,2 Jahre und Frauen um 5,6 Jahre verlängern können.

Die besten Chancen auf eine längeres Leben hatten der Studie zufolge Läufer, die maximal dreimal pro Woche in langsamem Tempo für bis zu zweieinhalb Stunden ihre Kreise zogen. Mehr davon ließ die Vorteile dagegen hinter den Nachteilen verblassen.

Drei Leistungsgruppen untersucht

Peter Schnohr vom Frederiksberg Hospital in Kopenhagen und seine Kollegen untersuchten diesen U-förmigen Zusammenhang innerhalb der Copenhagen City Heart Study im Detail bei insgesamt 1098 gesunden Joggern im Alter zwischen 20 und 86 Jahren und bei 413 bewegungsarmen Nichtjoggern (Durchschnittsalter 61).

Vom Zeitpunkt der ersten Untersuchung zwischen 2001 und 2003 beobachteten sie die Probanden bis maximal April 2013 (J Amer Coll Cardiol 2015; 65: 411-419).

Für eine differenziertere Betrachtung wurden die Jogger in drei Leistungsgruppen eingeteilt: Jogging light (niedriges bis mittleres Tempo mit etwa 8 km/h, < 2,5 h/Woche, ≤ 3x/Woche), Jogging moderat (niedriges bis mittleres Tempo, ≥ 2,5 h/Woche, ≤ 3x/Woche oder schnelles Tempo, ≤ 4 h/Woche,≤  3x/Woche oder niedriges bis mittleres Tempo, > 3x/Woche oder schnelles Tempo, ≤ 2,5 h/Woche, > 3x/Woche), Jogging anstrengend (schnelles Tempo mit mehr als 11 km/h, entweder > 4x/Woche oder 2,5 h/Woche, > 3x/Woche).

Die niedrigsten Mortalitätsraten im Vergleich zu Nichtjoggern fanden Schnohr und Kollegen bei denjenigen, die pro Woche insgesamt 1-2,4 Stunden in ihren Laufschuhen unterwegs waren. In der multivariaten Analyse, die Alter und Geschlecht berücksichtigte, ergab sich für diese Gruppe ein um 71 Prozent reduziertes Sterberisiko.

Die Vorteile reduzierten sich gegenüber den Unsportlichen, wenn die Probanden zwischen 2,5 und 4 Stunden wöchentlich liefen (Hazard Ratio, HR 0,65 nicht signifikant).

Am langlebigsten waren Jogger, die zwei bis dreimal oder seltener pro Woche ihrem Sport nachgingen (68 Prozent beziehungsweise 71 Prozent Risikoreduktion). Wer dagegen mehr als dreimal die Woche trainierte, brauchte seine Vorteile wieder auf.

Vorteil für langsame Läufer

Dabei kam es auch nicht darauf an, sich vollständig auszupowern. Im Gegenteil: In der Gruppe der langsamen Läufer lag die Mortalitätsrate um 49 Prozent niedriger als bei den Unsportlichen, in der Gruppe mit durchschnittlichem Tempo um 62 Prozent.

Die schnellen Läufer hatten dagegen ein ähnliches Mortalitätsrisiko wie die Nichtläufer (HR 0,94).

Beim Vergleich der drei Gruppen mit unterschiedlich intensiven Laufgewohnheiten bestätigten sich in der voll adjustierten Analyse - hierbei wurden zusätzlich zu Alter und Geschlecht auch Raucherstatus, Alkoholkonsum, Bildung und Diabetes berücksichtigt - erneut die Vorteile eines gemächlichen Laufstils.

In der Gruppe der sogenannten Light-Jogger war gegenüber den Nichtläufern das Mortalitätsrisiko um 78 Prozent reduziert, bei den moderaten Läufern um 34 Prozent.

Und bei den Joggern mit den höchsten Trainingsleistungen kehrte sich das Ganze um. Sie hatten ein fast doppelt so hohes Sterberisiko wie die Nichtjogger (HR 1,97).

Die Hürden für ein lebensverlängerndes Sportprogramm scheinen also gar nicht so hoch zu liegen. Die Autoren jedenfalls sind der Meinung, dass das Erreichen der entsprechenden Ziele für viele Erwachsene möglich sei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »