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Ärzte Zeitung, 21.04.2015

Prävention

Gute Check ups nutzen den Patienten

Check-up-Untersuchungen hatten in den letzten Jahren kräftig Gegenwind. Zu Unrecht, sagen Präventivmediziner. Wer Risiken evidenzbasiert erhebt und die Patienten konkret berät, kann viel Gutes tun.

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Von Philipp Grätzel von Grätz

MANNHEIM. Aufhänger für viele Diskussionen um Check-Up-Untersuchungen in den vergangenen Jahren war eine Cochrane-Metaanalyse aus dem Jahr 2012, in der Check-ups kategorisch als nutzlos eingestuft wurden (BMJ 2012; 345: e7191).

Dr. Johannes Scholl von der Präventionspraxis Prevention First in Rüdesheim ließ beim Internistenkongress in Mannheim an dieser Arbeit allerdings kein gutes Haar.

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Ein Großteil der für die Analyse berücksichtigten Studien stamme aus den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Lebensstilinterventionen habe es in praktisch keiner dieser Untersuchungen gegeben, und auch Risikoeinschätzungen seien kaum vorgenommen worden.

"Über die heutigen Gegebenheiten und den möglichen Nutzen eines gut gemachten Check-ups sagt diese Metaanalyse nichts aus", sagte Scholl. Er kritisierte, dass einzelne Check-up-Kritiker immer wieder mit polemischen Äußerungen breiten Raum in den Medien bekommen. Das helfe niemandem.

Anhand eigener Daten kann der Rüdesheimer Experte zeigen, dass der Anteil der Menschen im mittleren Alter, die ihre Risikofaktoren nicht kennen, hoch ist.

Von 697 unter 40jährigen Patienten, die freiwillig zum Check-up kamen, hatte jeder vierte eine Hypertonie, und knapp 40 Prozent hatten ein Non-HDL-Cholesterin über 160 mg/dl. Dies sei prognostisch relevant, betonte Scholl.

So wurden zum Beispiel in einer aktuellen Auswertung der Framingham-Kohorte die KHK-Raten mit der Dauer einer Hypercholsterinämie (Non-HDL >160 mg/dl) in Beziehung gesetzt.

Das Ergebnis: Über 15 Jahre entwickelten 4,4 Prozent der Patienten, bei denen die Hypercholesterinämie erstmals entdeckt wurde, eine Koronare Herzkrankheit. Lag die Hypercholesterinämie schon ein bis zehn Jahre lang vor, waren es 8,1 Prozent, bei 11 bis 20 Jahren 16,5 Prozent (Circulation 2015; 131(5): 451-8).

Scholls Schlussfolgerung für die Praxis aus diesen Studienergebnissen: "Wenn wir erst mit 65 Jahren anfangen zu behandeln, behandeln wir zu spät."

Entscheidend für einen erfolgreichen Check-up sind für Scholl die evidenzbasierte Risikoabschätzung und ein effektives Maßnahmenpaket zur Risikoreduktion.

In der eigenen Praxis erreichte der Experte bei 214 männlichen Rauchern, die im Rahmen des Check-ups von einer Einmalintervention überzeugt werden konnten, eine Abstinenzquote von 44,9 Prozent.

Bei acht von zehn Männern mit einem Bluthochdruck war der Blutdruck nicht optimal eingestellt und konnte über vier Jahre um im Mittel 13,8/6,9 mmHg gesenkt werden. "Gute Check-ups mit guter Beratung nutzen den Patienten", ist Scholl deswegen überzeugt.

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