Ärzte Zeitung, 13.10.2015

Angeborener Herzfehler

Wann muss der Klappenersatz sein?

Über eine viertel Million Menschen mit angeborenem Herzfehler leben in Deutschland. Mit einem Forschungsprojekt in Leipzig soll jetzt das optimale Vorgehen bei Fehlfunktion des rechtsventrikulären Ausflusstrakts geklärt werden.

Wann muss der Klappenersatz sein?

Oberarzt Privatdozent Philipp Lurz im Katheter-Labor des Herzzentrums an der Klinik für Innere Medizin/Kardiologie der Universität Leipzig.

© DHS/Jörg Gläscher

FRANKFURT / MAIN. Über eine viertel Million Menschen mit angeborenem Herzfehler leben in Deutschland, und sie werden dank der Therapiefortschritte immer älter. Zu einer besonders schwerwiegenden Problemkonstellation bei Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern zählt eine fehlerhafte Verbindung zwischen rechter Herzkammer und rechtsventrikulärem Ausflusstrakt (Right Ventricular Outflow Tract, RVOT).

Gefäßprothese hält nicht ewig

Muss bei Patienten mit RVOT-Fehlfunktion der Herz-Lungen-Kreislauf mit einer Gefäßprothese (klappentragendes Conduit) wiederhergestellt werden, folgen meist weitere Operationen. Denn die Lebensdauer der Prothesen ist begrenzt. Die Pulmonalklappenfunktion geht dabei im Lauf der Zeit verloren, oder es kommt zur Verengung der Arteria pulmonalis.

Das Risiko für Leistungseinschränkungen, Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod wird so erhöht. Ein Pulmonalklappenersatz mit mehreren Eingriffen ist dann unausweichlich. Therapieziel ist es, den Zeitpunkt für den Klappenersatz möglichst lange hinauszuzögern, um so die Zahl der Eingriffe gering zu halten, so die Herzstiftung in einer Mitteilung.

Kriterien für Zeitpunkt des Eingriffs

Allerdings liegen bislang keine Studiendaten mit allgemeingültigen Kriterien vor, nach denen sich der beste Eingriffszeitpunkt bei Patienten mit RVOT-Fehlfunktion abschätzen lässt. Nun sollen Herzspezialisten um Privatdozent Philipp Lurz vom Herzzentrum Leipzig - Universitätsklinik durch eigene Forschungen entsprechende Erkenntnisse gewinnen.

Sie werden dafür mit 60.000 Euro der Gerd Killian-Projektförderung 2015 der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) gefördert.

"Ziel unserer Studie ist es, genauer bestimmen zu können, wann der optimale Zeitpunkt für einen Pulmonalklappenersatz bei diesen Patienten ist und ob das Auftreten einer diastolischen Dysfunktion der rechten Herzkammer hierbei Hinweis gebend sein kann.

Daten für die Aufstellung solcher Kriterien insbesondere mit Endpunkten wie Lebensqualität, Überleben und das Ausbleiben von Vorhof- und Kammerflimmern fehlen bislang und würden langwierige Studien erfordern", so Lurz in der Mitteilung.

Risiko diastolische Herzschwäche

Unbehandelt droht den Patienten langfristig eine diastolische Herzschwäche mit typischen Beschwerden wie Atemnot, verminderte Leistungsfähigkeit und Ödemen. Um klarere Kriterien für den Ersatz definieren zu können, erweitern Lurz und sein Team das Spektrum der Untersuchungsverfahren, berichtet die Stiftung. Die Forscher hoffen, mit den Daten aus der geplanten Studie frühzeitiger als bisher mit Pulmonalklappenersatz intervenieren zu können,

Ergänzt wird dabei das invasive katheterbasierte Verfahren (Conductance-Katheter) um die nicht-invasive Echokardiografie und die kardiale Magnetresonanztomographie. Untersucht werden sollen Veränderungen der Diastole der rechten Herzkammer nach einer RVOT-Behandlung bei Patienten mit angeborenem Herzfehler.

Für die Studie wurden 40 Patienten (Alter zwölf bis 80 Jahre) mit Fehlfunktion der Diastole der rechten Herzkammer und einer RVOT-Fehlfunktion ausgewählt. Als Kontrollgruppe dienen zehn Patienten (Alter 18 bis 80 Jahre) mit Katheteruntersuchung wegen KHK-Verdachts. Diese haben keinen angeborenen Herzfehler in der rechten Herzkammer.

Gerd Killian-Projektförderung

"Mit unseren Daten können wir einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den Eingriff für den Pulmonalklappenersatz besser zu planen und dadurch die häufig sehr jungen Patienten vor verzichtbaren Operationen zu verschonen oder frühzeitig zu behandeln, bevor Veränderungen irreversibel geworden sind", betont Lurz.

Die Gerd Killian-Projektförderung für patientennahe Forschung im Bereich der Kinderkardiologie wird jedes Jahr von der Deutschen Herzstiftung/Kinderherzstiftung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) auf der Jahrestagung der Kinderkardiologen vergeben. (eb)

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