Ärzte Zeitung, 07.10.2015

Aortenstenose

TAVI läuft Herzklappen-Op den Rang ab

Bei älteren Patienten mit schwerer Aortenstenose hat die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) inzwischen in Deutschland die Herzklappen-Op als häufigstes Therapieverfahren überflügelt. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Daten des AQUA-Instituts hervor.

Von Peter Overbeck

TAVI läuft Herzklappen-Op den Rang ab

Im Jahr 2008 erhielten noch 11205 Patienten ihre neue Aortenklappe auf dem Weg einer offenen Herzoperation; 2014 waren es nur noch 9953.

© BVMed-Bilderpool

FRANKFURT / MAIN. Deutschland ist weltweit führend in der Anwendung der kathetergestützten Implantation von Aortenklappen bei Patienten mit Aortenstenose.

Derzeit gilt, dass diese Methode bei inoperablen Patienten sowie als Alternative zur Operation bei Patienten mit hohem Operationsrisiko indiziert ist.

Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass sich für die TAVI zunehmend auch bei nicht so hohem Risiko entschieden wird - auch auf Wunsch der Patienten.

Zwecks gesetzlich vorgeschriebener externer Qualitätssicherung werden vom AQUA-Institut (Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen) Jahr für Jahr Daten zu sämtlichen isolierten Aortenklappen-Eingriffen in Deutschland erhoben.

Diese Daten vermitteln somit ein gutes Bild von der realen Versorgungssituation im Hinblick auf interventionelle und chirurgische Eingriffe bei Aortenstenose.

Auf Basis dieser AQUA-Daten haben Professor Holger Eggebrecht vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main und Dr. Rajendra Mehta von der Duke University in Durham im US-Staat North Carolina jetzt einmal die Entwicklung nachgezeichnet, die sich zwischen 2008 und 2014 in Deutschland in der Behandlung von älteren Patienten mit Aortenstenose vollzogen hat (Eurointervention 2015, online 20. September).

TAVI-Zahl stieg auf das 20fache

Danach sind seit 2008 hierzulande 71.927 isolierte Aortenklappen-Operationen (chirurgischer Aortenklappenersatz) und 48.353 TAVI-Eingriffe durchgeführt worden.

Die Zahl der chirurgischen Eingriffe zur Beseitigung von Aortenstenosen ist seit dieser Zeit leicht rückläufig: Erhielten 2008 noch 11.205 Patienten ihre neue Aortenklappe auf dem Weg einer offenen Herzoperation, waren es 2014 nur noch 9953.

Umgekehrt verlief die Entwicklung bei den TAVI-Prozeduren - und zwar in äußerst rasantem Tempo. Hier war in der gleichen Zeit ein Anstieg der erfassten Interventionen auf das 20fache zu verzeichnen: War die Zahl im Jahr 2008 mit 637 Eingriffen noch sehr bescheiden, erreichte sie 2014 mit nunmehr 13.263 ihren bislang höchsten Stand.

Im Jahr 2013 überstieg erstmals die Zahl der TAVI-Prozeduren die der Aortenklappen-Operationen. Dies ist vor allem auf die Zunahme von transfemoralen TAVI-Eingriffen zurückzuführen, die Zahl der transapikalen Prozeduren veränderte sich dagegen kaum.

Noch lassen zumindest die AQUA-Daten zur Altersstruktur eine Ausweitung der TAVI auf jüngere Patienten mit niedrigerem Risiko nicht erkennen: Mit 81,6 Jahren (2008) und 80,9 Jahren (2014) blieb das Durchschnittsalter der TAVI-Patienten nahezu unverändert.

Dagegen spiegeln die zwischen 2011 und 2014 erfassten Veränderungen beim EURO-Score - er dient der Voraussage der postoperativen Mortalität nach herzchirurgischen Eingriffen - bereits einen gewissen Trend in diese Richtung wider.

Rückgang von Komplikationen

Erfreulich ist der Rückgang der im Zusammenhang mit TAVI-Prozeduren aufgetretenen Komplikationen. Die Rate der intraprozeduralen Komplikationen fiel von 9,4 Prozent (2012) auf 3,9 Prozent (2014).

Trotz der Tatsache, dass TAVI-Patienten deutlich älter als chirurgisch behandelte Patienten waren und zudem mehr Begleiterkrankungen aufwiesen, waren im Jahr 2014 die Raten für Schlaganfälle in der stationären Phase kaum unterschiedlich (1,4 versus 1,1 Prozent).

Bemerkenswert ist vor allem die deutliche Abnahme der In-Hospital-Mortalität, die von 10,4 Prozent im Jahr 2008 auf 4,2 Prozent im Jahr 2014 zurückging und sich damit mehr als halbierte.

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