Ärzte Zeitung, 27.04.2004

Sinkt erhöhter Blutdruck, steigt die Lebensqualität

Nur etwa 13 Prozent der Hypertoniker in Deutschland sind optimal eingestellt / Compliance ist bei Sartanen sehr hoch

WIESBADEN (ner). Unisono wurde beim Internistenkongreß in Wiesbaden einmal mehr die meist unzureichende Blutdrucksenkung bei Hypertonie-Patienten in Deutschland beklagt. Einer der Knackpunkte ist noch immer die Compliance der Patienten.

Nur etwa 13 Prozent der Hypertoniker in Deutschland seien optimal und entsprechend den Empfehlungen von Fachgesellschaften eingestellt, hieß es. Dies sei um so erstaunlicher, als eine Senkung des Blutdrucks um etwa 5 mmHg zu einer 16prozentigen Reduktion der Myokardinfarkte und einer 38prozentigen Reduktion der Schlaganfälle führe, so Professor Roland Schmieder von der Universität Erlangen-Nürnberg bei einem vom Unternehmen Berlin-Chemie unterstützten Satellitensymposium.

Schmieder widersprach zudem der Behauptung, hoher Blutdruck tue nicht weh. Unspezifische Beschwerden seien häufig. Eine Praxis-Analyse bei mehr als 4200 Patienten habe ergeben, daß mit sinkendem Blutdruck die Lebensqualität steige.

Die Compliance von Patienten sinkt mit dem Auftreten von unerwünschten Wirkungen, die meist Dosis-abhängig auftreten. Der Angiotensin-1-Rezeptorblocker Olmesartan (Votum®) sei in dieser Hinsicht ein "pharmakologisches Paradoxon", so Schmieder.

Zwar gehe die hohe Dosierung von Olmesartan mit einer stärkeren Blutdrucksenkung und verbesserten Organprotektion einher, es komme jedoch nicht zu einer gesteigerten Nebenwirkungsrate. Dies resultiere in der vergleichsweise besten Therapietreue bei mit Sartanen behandelten Patienten: Nach vier Jahren nähmen noch 51 Prozent der Patienten das verordnete Sartan ein, jedoch nur 41 Prozent einen ACE-Hemmer und 16 Prozent Diuretika.

Professor Jürgen Scholze aus Berlin wies auf Unterschiede bei den Betablockern hin, die insbesondere bei Herzinsuffizienz, KHK, nach Herzinfarkt sowie bei Herzrhythmusstörungen indiziert sind. So gebe es mit Nebivolol (Nebilet®) weniger oft Müdigkeit, Bronchokonstriktion oder eine verschlechterte Stoffwechsellage als bei anderen Präparaten, sagte Scholze.

Vorteilhaft sei zudem der duale Wirkansatz von Nebivolol, hieß es. So werden selektiv die Beta-1-Rezeptoren blockiert sowie die körpereigene Stickstoffmonoxid-Produktion angekurbelt. Dies senkt den arteriellen und venösen Gefäßwiderstand und verringert das Atherosklerose-Risiko.

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