Ärzte Zeitung, 23.06.2004

Weißkittel-Hypertonie? Da stimmt häufig die Compliance nicht!

Fixkombinationen erleichtern Blutdruck-Einstellung

MÜNCHEN (sto). Die Weißkittel-Hypertonie ist keine harmlose Ange-legenheit: Patienten, die bei einer Blutdruckmessung durch einen Arzt erhöhte Werte haben, haben im Durchschnitt eine kürzere Lebenserwartung nicht nur im Vergleich zu Menschen mit normalem Blutdruck, sondern auch im Vergleich zu Patienten mit einer schweren Hypertonie. Daran erinnerte Privatdozent Friedhelm Späh aus Krefeld.

Um eine bessere Compliance bei Patienten mit Bluthochdruck zu erreichen, sollten "auf dem mühseligen Weg einer Lebensstil-Veränderung" zusammen mit dem Patienten in einem ersten Schritt individuelle Blutdruck-Zielwerte vereinbart werden, so Späh. Günstig für die Compliance ist dabei die Blutdruckselbstmessung.

Jeder Arzt sollte sich über die wichtigsten Ursachen einer Non-Compliance bei der Hypertonie-Therapie im klaren sein, sagte Späh bei einer Veranstaltung des Unternehmens Merck KGaA in München: Patienten über 60 Jahre vergessen häufig die Tabletten-Einnahme. Männer schneiden dabei schlechter ab als Frauen. Alleinstehende sind unzuverlässiger als Verheiratete. Hohe Tablettenzahlen, komplizierte Therapieschemata und unerwartete unerwünschte Wirkungen schaden der Motivation und führen oft zum Therapie-Abbruch, erinnerte Späh.

Deshalb seien gute Verträglichkeit und ein möglichst einfaches Einnahmeschema mit täglicher Einmal-Einnahme eine wichtige Voraussetzung für eine auch auf lange Sicht befriedigende Blutdruckeinstellung, betonte der Hochdruck-Spezialist.

ACE-Hemmer und Calciumantagonisten vom Dihydropyridintyp werden von den Hochdruckpatienten gut akzeptiert. Fixkombinationen wie Eneas®, eine Kombination von Enalapril und Nitrendipin, bewirkten bei einer geringen Rate unerwünschter Wirkungen eine deutliche Blutdrucksenkung. Als weiteres wesentliches Argument für eine antihypertensive Kombinationstherapie nannte Späh Synergie-Effekte bei der Organ- und Gefäßprotektion.

Eine primäre Kombinationstherapie ist nach Angaben des niederge-lassenen Internisten Dr. Joachim Haist aus Biberach bereits dann gerechtfertigt, wenn der aktuelle Blutdruck mehr als 20/10 mmHg über dem Zielwert liegt. Fixkombinationen seien dabei besonders hilfreich, weil häufig frustrane Therapieversuche mit einer Monotherapie die Compliance gefährdeten.

Topics
Schlagworte
Bluthochdruck (1452)
Organisationen
Merck (930)
Krankheiten
Bluthochdruck (3271)
Wirkstoffe
Enalapril (108)
Nitrendipin (28)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »