Ärzte Zeitung, 10.09.2004

Losartan könnte viele Herzkranke in der EU vor Schlaganfall schützen

Hypertoniker mit Zeichen einer Linksherzhypertrophie im EKG profitieren von Therapie

MÜNCHEN (ob). Zur Vorbeugung von Schlaganfällen sollten in Europa stärkere Anstrengungen unternommen werden, fordert Professor Björn Dahlöf aus Göteborg. Speziell in der antihypertensiven Therapie mit dem AT1-Rezeptorblocker Losartan sieht er noch erhebliches Potential, die Zahl der Schlaganfälle weiter zu reduzieren.

Dahlöf war Initiator und Leiter der LIFE-Studie. Diese Studie ist insofern eine Ausnahme von der Regel, als ihre Ergebnisse - anders als vorangegangene Vergleichsstudien - erstmals einen signifikanten Unterschied in der Wirkung zweier Antihypertensiva auf harte klinische Endpunkte dokumentieren. In LIFE wurde die Inzidenz von Schlaganfällen bei Hypertonikern mit Hinweisen auf eine Linksherzhypertrophie im EKG trotz gleicher Blutdrucksenkung durch Losartan (Lorzaar®) um 25 Prozent stärker gesenkt als durch den Betablocker Atenolol. Das hat Dahlöf auf einer MSD-Veranstaltung beim ESC-Kongreß in München berichtet.

Dahlöfs Arbeitsgruppe hat nun in einer neuen Studie analysiert, welche Implikationen dieses Ergebnis für die Schlaganfall-Prävention in den Ländern der Europäischen Union (EU) haben könnte. Zu diesem Zweck sind die LIFE-Ergebnisse auf den Teil der EU-Bevölkerung projiziert worden, der die LIFE-Einschlußkriterien erfüllt. Nach konservativer Schätzung liegt die Zahl der Hypertoniker mit Zeichen einer Linksherzhypertrophie im EKG in Europa bei 7,8 Millionen.

Würde diese Gruppe statt einer konventionellen Therapie mit Atenolol eine Behandlung mit Losartan erhalten, könnten im Laufe von 5,5 Jahren etwa 125 000 Schlaganfälle verhindert werden, so das Ergebnis von Dahlöfs Projektion. Nach seiner Einschätzung hätte somit eine breit angelegte Präventionsstrategie mit Losartan bei Hypertonikern wesentliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen in der EU.

Die Notwendigkeit einer besseren Schlaganfall-Prävention betonte auch Professor Bryan Williams aus Leicester. Er verwies auf ernüchternde Ergebnisse eines im vergangenen Jahr veröffentlichten transatlantischen Vergleichs von Hochdruck-Therapie und Schlaganfall-Häufigkeit. Danach ist die Prävalenz der Hypertonie in Europa um 60 Prozent höher als in Nordamerika. Die höchste Rate fand man in Deutschland.

In enger Korrelation mit der Hypertonie-Prävalenz war auch die Rate der tödlichen Schlaganfälle in Europa deutlich höher als jenseits des Atlantiks. Der Anteil medikamentös behandelter Hypertoniker war in den europäischen Ländern nur etwa halb so hoch wie in den USA.

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