Ärzte Zeitung, 26.11.2004

Sogar geringe Nierenschäden erhöhen kardiales Risiko

Bei Hochdruck-Patienten sollte die Nierenfunktion mit der Kreatininclearance bestimmt werden, fordern Spezialisten beim Hochdruck-Kongreß

HANNOVER (grue). Bereits leichte Nierenfunktionstörungen erhöhen bei Hypertonie das kardiovaskuläre Risiko, wie in der HOPE- und HOT-Studie belegt wurde. Auch eine höhte Konzentrationen an ADMA, einem Marker der endothelialen Dysfunktion, wird beim Hochdruckliga-Kongreß in Hannover als neuer Risikofaktor diskutiert.

Auswertungen großer Hochdruck-Studien wie HOPE und HOT belegen, daß bereits eine geringfügig eingeschränkte Nierenfunktion das kardiovaskuläre Risiko deutlich steigert. "Das waren alles Patienten, die noch normale Serum-Kreatinin Werte hatten", sagte Kongreßpräsident Professor Hermann Haller aus Hannover. "Wir sollten deshalb bei Hochdruck-Patienten nicht nur das Kreatinin und eine mögliche Mikroalbuminurie bestimmen, sondern auch die Nierenfunktion abschätzen".

Dafür eignet sich die Berechnung der Kreatinin-Clearance mit der Cockroft-Gault-Formel. Noch genauer ist die von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie favorisierte MDRD-Formel, in die auch das Serum-Albumin einfließt (wie bereits berichtet).

Warum versteckte Nierenerkrankungen die Gefäße strapazieren, ist noch unklar. "Als mögliche Ursache wird eine gesteigerte sympathische Aktivität im Bereich der Nieren diskutiert, die als leichte arterielle Hypertonie allerdings klinisch kaum auffällt", sagte Haller.

Außerdem wurden bei leichter Nierenfunktionsstörung erhöhte Werte für asymmetrisches Dimethylarginin (ADMA) gemessen. Dieses Peptid blockiere die NO-Synthese und markiere den Beginn einer endothelialen Dysfunktion. Leichte Nierenfunktionsstörungen müssen demnach stärker als bisher als Indiz für einen Endorganschaden angesehen werden.

Andere Komplikationen bei Bluthochdruck ließen sich weniger gut aufdecken. Das gelte etwa für zerebrovaskuläre Schäden, die erst als Schlaganfall manifest werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »