Forschung und Praxis, 13.12.2004

Im glykämischen Effekt sind nicht alle Betablocker gleich

Betablocker senken bei Hypertonie, KHK und Herzinsuffizienz Morbidität und Mortalität. Betablocker können allerdings auch Lipid- und Glukosestoffwechsel in nicht erwünschter Weise beeinflussen, weshalb sie speziell in der Behandlung von Diabetikern bei vielen Ärzten nicht den besten Ruf genießen. Allerdings lassen sich in metabolischer Hinsicht wohl nicht alle Betablocker über einen Kamm scheren.

Zumindest Carvedilol scheint nach Resultaten der GEMINI-Studie (Glycemic Effects in Diabetes mellitus: Carvedilol-Metoprolol Comparison in Hypertensives) den Glukosemetabolismus bei Diabetikern nicht zu beeinträchtigen.

Ein Forscherteam um Professor George L. Bakris aus Chicago hat in dieser Studie die glykämischen Effekte zweier Betablocker bei Diabetikern mit Bluthochdruck verglichen, die alle gleichzeitig einen ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Blocker erhielten. Letztere Substanzen, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System blockieren, haben in Studien einen eher günstigen Einfluß auf den Glukosestoffwechsel gezeigt. Mindestens fünf Monate lang sind 1235 Typ-2-Diabetiker entweder mit dem nicht-selektiven Betablocker Carvedilol oder dem kardioselektiven Betablocker Metoprololtartrat behandelt worden.

HbA1c-Wert durch Carvedilol nicht ungünstig beeinflußt

Für den Vergleich der metabolischen Effekte beider Blutdrucksenker wurde primär der bei Diabetikern wichtige Stoffwechselparameter HbA1c herangezogen. Zu Beginn lag der HbA1c-Wert der Studienteilnehmer im Schnitt bei 7,2 Prozent. Die Therapie mit Carvedilol hatte im Schnitt keine wesentliche Veränderung dieses Glykämie-Parameters zur Folge (plus 0,02 Prozent). Metoprololtartrat bewirkte dagegen eine HbA1c-Zunahme um 0,15 Prozent - ein signifikanter Unterschied im Vergleich zu Carvedilol. Ein besonders deutlicher HbA1c-Anstieg (> 1 Prozent) wurde in der Metoprolol-Gruppe doppelt so häufig beobachtet wie in der Carvedilol-Gruppe (14 versus 7 Prozent).

Auch der Unterschied im Einfluß auf die Insulinsensitivität, die durch Carvedilol verbessert und durch Metoprololtartrat nicht verändert wurde, war signifikant. Die Veränderungen der Insulinsensitivität korrelierten eng mit den HbA1c-Veränderungen.

Beide Betablocker senkten den Blutdruck mit gleicher Effizienz. Dennoch entwickelten mit Carvedilol signifikant weniger Diabetiker eine Mikroalbuminurie als mit Metoprololtartrat (6,4 versus 10,3 Prozent). Im Hinblick auf die Gewichtszunahme schnitt die Carvedilol-Gruppe besser ab als die Vergleichsgruppe (plus 0,2 kg versus plus 1,2 kg). (ob)

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