Ärzte Zeitung, 11.03.2005

Moderne Blutdrucksenker sammeln Pluspunkte

Detaillierte Ergebnisse der ASCOT-Studie jetzt vorgestellt / Vorteile für Amlodipin/Perindopril-Kombination

ORLANDO (ob). Sowohl Gesamtmortalitätsrate als auch die Rate kardiovaskulärer Komplikationen werden bei Hypertonikern durch eine Amlodipin/Perindopril-Kombination in signifikant stärkerem Maße gesenkt als durch ein Therapieregime, das sich auf den Betablocker Atenolol und ein Thiaziddiuretikum stützt.

Dies ist das mit großer Spannung von den Experten erwartete Hauptergebnis des Blutdrucksenker-Arms der großen ASCOT-Studie (Anglo-Scandinavian Cardiac Outcome Trial). ASCOT ist im November 2004 vorzeitig gestoppt worden - in der Welt der Blutdrucksenkerstudien ein bislang einmaliger Akt. Viel mehr als die dürre Mitteilung, daß man sich aufgrund signifikanter Vorteile der Amlodipin/Perindopril-Kombination zu diesem Schritt gezwungen sah, erfuhr die interessierte Fachwelt zunächst nicht (wir berichteten).

Detaillierte Ergebnisse, die zwar noch vorläufig sind, jedoch bereits auf der Auswertung von etwa 95 Prozent aller Daten basieren, hat ASCOT-Studienleiter Professor Peter Sever aus London jetzt erstmals beim ACC-Kongreß vorgestellt hat.

Zu seiner Empfehlung, ASCOT vorzeitig abzubrechen, ist das über den Studienablauf wachende unabhängige Expertengremium nach einer Zwischenanalyse der Gesamtsterberate gelangt, berichtete Severs. Zum Zeitpunkt dieser Analyse war die Gesamtmortalität in der Gruppe der Hypertoniker mit Amlodipin-gestützter Therapie (zumeist kombiniert mit Perindopril) signifikant um 14 Prozent niedriger als in der Gruppe mit Atenolol-basierter Therapie (plus Thiazid bei der Mehrzahl der Patienten).

Im Hinblick auf KHK-bedingte Todesfälle und nicht tödliche Myokardinfarkte ergab sich ein Unterschied um zehn Prozent zugunsten der beiden modernen Blutdrucksenker, der allerdings nicht signifikant war. Severs führt dies darauf zurück, daß die infolge des vorzeitigen Stops verringerte Zahl klinischer Ereignisse keine ausreichende Basis für den Signifikanz-Nachweis geboten habe.

Auch dann, wenn alle Koronarereignisse - zusätzlich zu Koronartod und Herzinfarkt noch Angina pectoris und Herzinsuffizienz - in einen Topf geworfen wurden, war das Amlodipin/Perindopril-Gespann klar im Vorteil: die Risikoreduktion im Vergleich zur Betablocker/Thiazid-Therapie betrug für diese Endpunkt-Kombination 14 Prozent und war ebenfalls signifikant.

Auf der gleichen Linie liegen die Ergebnisse bei den zerebrovaskulären Ereignissen: Die Rate tödlicher und nicht tödlicher Schlaganfälle wurde durch Amlodipin/Perindopril signifikant um 14 Prozent stärker gesenkt als durch die beiden älteren Antihypertensiva.

Damit nicht genug. Auch bei der Zahl neu aufgetretener Diabetes-Erkrankungen zogen die Antihypertensiva-Oldies - wie schon in vorangegangenen Studien - in ASCOT klar den Kürzeren. Denn in der Amlodipin/Perindopril-Gruppe war das Diabetes-Risiko signifikant um 32 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe.

Was die ASCOT-Studie klären sollte

An der ASCOT-Studie waren 19 257 Patienten mit Hypertonie und mindestens drei weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren beteiligt. Sie sind randomisiert einem von zwei antihypertensiven Therapieregimen zugeteilt worden. Die medikamentöse Basis bildeten der Kalziumantagonist Amlodipin (5/10 mg/Tag) oder der Betablocker Atenolol (50/100 mg/Tag).

Zur Erreichung des Zielblutdrucks (140/90 mmHg) konnte Amlodipin mit dem ACE-Hemmer Perindopril (4/8 mg/Tag) und Atenolol mit dem Thiaziddiuretikum Bendroflumethiazid (1,25/2,5 mg) kombiniert werden. Geklärt werden sollte, ob sich beide Therapieregime speziell in ihrer präventiven Wirkung auf Koronarkomplikationen unterscheiden. Primärer Endpunkt war eine Kombination der beiden Ereignisse Tod infolge KHK und nicht tödlicher Myokardinfarkt.

Bis zum Zeitpunkt des vorzeitigen Studienabbruchs aufgrund signifikanter Unterschiede zwischen beiden Behandlungsgruppen betrug die Beobachtungsdauer im Schnitt 5,4 Jahre. Der Lipidarm der ASCOT-Studie (n = 10 305) ist schon vor mehr als zwei Jahren aufgrund des Vorteils von Atorvastatin (10 mg/Tag) im Vergleich zu Placebo ebenfalls noch vor dem geplanten Ende gestoppt worden. (ob)

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