Ärzte Zeitung, 08.09.2005

Hat Telmisartan Zusatznutzen bei Insulinresistenz?

Präklinische Studien weisen auf günstige Effekte des AT-II-Blockers bei Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen hin

STOCKHOLM (Rö). Der Angiotensin- II-Rezeptorblocker Telmisartan senkt nicht nur den Blutdruck, sondern hat nach Ergebnissen präklinischer Studien offenbar auch günstige Effekte auf metabolische Parameter des Fett- und Zuckerstoffwechsels.

Neue Forschungsarbeiten haben ergeben, daß der Angiotensin-II-Hemmer Telmisartan stärker als andere Wirkstoffe aus dieser Klasse den Zellkernrezeptor PPAR-gamma (Peroxisomen-Proliferator-aktivierter Rezeptor-gamma) aktiviert. Dieser hat erhebliche Bedeutung beim Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel.

Er erhöht etwa die Insulinsensitivität. Die Zusammenhänge haben Forscher bei einem Symposium und bei einem Pressegespräch von Boehringer Ingelheim beim Kardiologie-Kongreß in Stockholm erläutert. Das Unternehmen hat den Wirkstoff in Deutschland als Micardis® im Programm.

    Neue Studien
zu den Besonderheiten des Wirkstoffs.
   

Das Telmisartan-Molekül hat nach Angaben von Professor Ted Kurtz von der Universität von Kalifornien in San Francisco eine ähnliche Struktur wie der PPAR-gamma-Aktivator Pio-glitazon, der beim Typ-2-Diabetes genutzt wird. Der Angiotensin-II-Hemmer aktiviert PPAR-gamma stärker als andere Wirkstoffe aus dieser Substanzklasse, wie Kurtz herausgefunden hat.

Dies führt nach ersten präklinischen Daten zu günstigen Effekten auf die Insulinresistenz und auf Parameter der Blutfette, unabhängig vom Effekt auf das Renin-Angiotensin-System. Kurtz demonstrierte anhand der Ergebnisse von Vergleichsuntersuchungen, daß bei anderen Angiotensin-II-Antagonisten diese Effekte nicht beobachtet wurden.

Ob sich die besonderen Eigenschaften von Telmisartan klinisch auswirken, etwa dadurch, daß Diabetes-Neuerkrankungen oder kardiovaskuläre Komplikationen verhindert werden, wird derzeit im ONTARGET (Ongoing Telmisartan alone and in combination with Ramipril global end point trial)-Studien-Programm mit über 30 000 Patienten überprüft. Erste Ergebnisse werden im Jahr 2008 erwartet.

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