Ärzte Zeitung, 02.12.2005

Telmisartan senkt auch Blutglukose und Triglyzeride

Blutdrucksenker wirkt über einen Zellkernrezeptor wie ein Antidiabetikum / Verminderung der Insulinresistenz ohne Gewichtszunahme erhofft

BERLIN (hbr). Der Angiotensin-II-Blocker Telmisartan senkt bei hypertonen Patienten nicht nur den Blutdruck. Er verbessert offenbar noch weitere Komponenten des metabolischen Syndroms: Glukose- und Lipidstoffwechsel profitieren ebenfalls.

Das belegt eine italienische Untersuchung mit 40 Patienten. Die Teilnehmer an der Untersuchung hatten außer einem erhöhten Blutdruck weitere Parameter des metabolischen Syndroms, etwa eine gestörte Glukosetoleranz oder eine Insulinresistenz.

Die Studie verglich den Effekt von zwei Sartanen auf den Glukosemetabolismus. Professor Thomas Unger von der Berliner Humboldt-Universität stellte die Ergebnisse beim Kongreß der Deutschen Hochdruckliga in Berlin vor.

Jeweils 20 Patienten erhielten einmal täglich 80 mg des 24 Stunden wirksamen Blutdrucksenkers Telmi-sartan (Micardis®) oder 50 mg Losartan. Nach zwölf Wochen stand fest, daß die mit Telmisartan behandelten Patienten einen höheren therapeutischen Zusatznutzen hatten: HbA1c, Insulinresistenz und Nüchternblutzucker waren bei ihnen signifikant stärker gesunken.

"Im Vergleich zu Losartan führte Telmisartan zu einer deutlichen Verbesserung der Glukoseparameter", sagte Unger bei der Veranstaltung von Boehringer Ingelheim. Diese Daten ergänzen die Ergebnisse einer zwölfmonatigen Studie, an der 119 Typ-2-Diabetiker mit leicht erhöhten diastolischen Blutdruckwerten von 91 bis 104 mmHg teilnahmen.

Sie erhielten täglich entweder 40 mg Telmisartan oder 600 mg Eprosartan. Nur bei den mit Telmisartan behandelten Patienten, nicht aber in der Eprosartan-Gruppe, nahmen außer dem Blutdruck auch die Triglizeridwerte signifikant ab.

Die pleiotropen Effekte könnten das bei Hypertonie indizierte Präparat speziell für Patienten mit metabolischem Syndrom interessant machen. Dazu gehört in Deutschland bereits heute jeder fünfte Erwachsene.

Grund des metabolischen Zusatznutzens von Telmisartan ist seine neu entdeckte Fähigkeit, den PPAR-gamma-Rezeptor zu aktivieren (Peroxisomen Proliferator-aktivierter Rezeptor-gamma).

Über diesen Zellkernrezeptor entfalten auch orale Antidiabetika vom Glitazon-Typ bei Typ-2-Patienten ihre Wirkung: Sie vermindern die Insulinresistenz. Der Nachteil: Ihre PPAR-gamma-Stimulation kann mit unerwünschter Gewichtszunahme verknüpft sein, so Unger.

Anders bei Telmisartan: Es bewirkt keine volle Aktivierung des Rezeptors, sondern moduliert ihn selektiv, was zur Ausbildung anderer Proteine führt. Unger hofft, daß dies die Insulinempfindlichkeit ohne Gewichtszunahme steigert. Seine Hoffnung scheint berechtigt zu sein: Im Tierversuch funktioniert das.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »