Ärzte Zeitung, 20.01.2006

Mit Sildenafil gegen pulmonale Hypertonie

Sechs-Minuten-Gehstrecke wird um 50 Meter verlängert / Bereits in frühem Stadium wird die Belastbarkeit besser

BERLIN (gvg). Sildenafil kann die Beschwerden von Patienten mit pulmonaler Hypertonie lindern. Ihre körperliche Belastbarkeit nimmt zu. Dies hat eine Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie ergeben, deren Ergebnisse kürzlich publiziert worden sind (NEJM 353, 2005, 2148).

An der internationalen SUPER-Studie (Sildenafil use in pulmonary arterial hypertension) waren aus Deutschland Dr. Hossein A. Ghofrani und Dr. Friedrich Grimminger von der Universität Gießen beteiligt.

Insgesamt 278 Patienten mit pulmonalarterieller Hypertonie (PAH) unterschiedlicher Ursache erhielten zwölf Wochen lang entweder eine Placebo-Therapie oder aber eine orale Behandlung mit 20, 40 oder 80 mg Sildenafil dreimal täglich. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Sechs-Minuten-Gehstrecke. Der Parameter gilt als unabhängiger Prädiktor für den Tod von Patienten mit idiopathischer PAH.

Mit allen drei Sildenafil-Dosierungen war in der Studie die Sechs-Minuten-Gehstrecke nach drei Monaten statistisch signifikant größer als in der Placebo-Gruppe. Im Mittel waren es 45 bis 50 Meter mehr, was einer 13- bis 15prozentigen Zunahme entspricht.

Dieser Behandlungseffekt entspreche dem, was mit intravenösen und inhalierten Präparaten bei dieser Indikation erreicht werde, betonen die Autoren. Der Nutzen war unabhängig davon, wie lang die Ausgangsgehstrecke war. So profitierten jene Patienten, die unbehandelt weniger als 325 Meter in sechs Minuten schafften so wie jene, die zu Beginn über 325 Metern lagen.

Die meisten Patienten der vom Unternehmen Pfizer organisierten SUPER-Studie hatten eine PAH im Stadium II oder III. Sie waren damit weniger krank als die PAH-Patienten in anderen Studien. Sildenafil hat demnach bereits in früheren PAH-Stadien einen nachweisbaren Effekt auf die Belastbarkeit der Betroffenen.

Nach Ende des Placebo-kontrollierten Teils wurde die SUPER-Studie offen weitergeführt. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, daß der Effekt auf die Sechs-Minuten-Gehstrecke auch nach einem Jahr Behandlung noch vorhanden sei, so die Kollegen. Sildenafil soll mit dieser Indikation in Deutschland im ersten Quartal als Revatio® auf den Markt kommen. In den USA ist es bereits erhältlich.

Topics
Schlagworte
Bluthochdruck (1421)
Organisationen
Pfizer (1336)
Krankheiten
Bluthochdruck (3159)
Wirkstoffe
Sildenafil (183)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »