Ärzte Zeitung, 01.12.2006

Renin-Hemmer überzeugt in Studien zu Bluthochdruck

Aliskiren ist ähnlich wirksam und verträglich wie AT1-Blocker / Signifikante Senkung der Plasma-Renin-Aktivität / EU-Zulassung für 2007 erwartet

MÜNCHEN (skh). Der Renin-Hemmer Aliskiren ist bei Hypertonie ähnlich wirksam und verträglich wie AT1-Blocker und senkt zusätzlich die Plasma-Renin-Aktivität. Für 2007 wird die EU-Zulassung für das Medikament erwartet.

"Durch eine Hemmung des Enzyms Renin wurde schon vor 30 Jahren versucht, in die erste Stufe der Renin-Angiotensin-Kaskade einzugreifen", erinnerte Professor Hermann Haller von der Medizinischen Hochschule Hannover bei der Jahrestagung der Deutschen Hochdruckliga. Doch erst seit der Entwicklung von Aliskiren steht ein oral gut verfügbarer Wirkstoff mit langer Halbwertszeit zur Verfügung (wir berichteten).

Die Substanz bewirkt in einer Dosierung von 150 mg oder 300 mg bei einmal täglicher Einnahme eine effektive Blutdrucksenkung über 24 Stunden. Zudem gebe es keine Interaktionen mit gängigen Herz-Kreislauf-, Schmerz und Diabetes-Medikamenten, berichtete Haller.

In einer doppelblinden Studie wurden 652 Patienten acht Wochen lang entweder mit 150 mg, 300 mg oder 600 mg Aliskiren, mit 150 mg Irbesartan oder mit Placebo behandelt. Bei 300 mg Aliskiren sank der Blutdruck am deutlichsten von im Durchschnitt 152/99 mmHG auf 136/87 mmHG. Der Unterschied war signifikant im Vergleich zu allen anderen Therapiegruppen der Studie.

Bei Behandlung mit Irbesartan sei der Blutdruck von durchschnittlich 153/99 mmHG auf 140/90 mmHG gesunken, so Haller bei dem von Novartis veranstalteten Symposium. Zudem sank die Plasma-Renin-Aktivität mit Aliskiren signifikant um mehr als die Hälfte, wohingegen sie sich bei den Patienten, die Irbesartan erhalten hatten, mehr als verdoppelte (Circulation 111, 2005, 1012).

Aus Tierversuchen gebe es Hinweise dafür, daß mit Aliskiren in Kombination mit einem niedrig dosierten ACE-Hemmer oder einem AT1-Antagonisten eine noch effektivere Senkung des Blutdrucks als unter Monotherapie möglich ist. Weil Aliskiren jedoch sehr spezifisch das menschliche Renin-Enzym hemmt, könnten diese Ergebnisse nicht auf die Anwendung bei Menschen übertragen werden, sagte Haller.

Mitte nächsten Jahres werden zudem erste Ergebnisse der ALLAY-Studie zum langfristigen Effekt von Aliskiren auf die linksventrikuläre Hypertrophie, der ALOFT-Studie zum Effekt bei Patienten mit Herzinsuffizienz und der AVOID-Studie zur Wirkung auf die Proteinurie erwartet.

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