Ärzte Zeitung, 16.10.2007

Hoher Blutdruck stört offenbar das Gedächtnis

Auch ein erhöhter HbA1c-Wert über 6 korreliert mit schlechterer kognitiver Leistung

BERLIN (ugr). Gute Blutdruck- und Blutzuckerwerte sind mit die wichtigsten Voraussetzungen, um im Alter lange gesund zu bleiben. Denn damit lassen sich nicht nur kardiovaskuläre Erkrankungen vermeiden, sondern möglicherweise auch Demenzen.

Eine gute Blutdruck-Einstellung ist offenbar auch wichtig, um das Risiko für eine Demenzerkrankung zu senken. Foto: klaro

Körperlich sind ältere Menschen heute wesentlich häufiger gesund als früher. Das bestätigen immer mehr epidemiologische Studien. So ist die Lebenserwartung in den vergangenen 25 Jahren um über fünf Jahre gestiegen, hat der Epidemiologe Professor Klaus Berger von der Universität Münster berichtet. Und häufig sind die Menschen im Alter noch sehr gesund: Bei den 65- bis 74-Jährigen haben über 80 Prozent keinen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs gehabt, bie den Menschen über 75 Jahren sind es im Schnitt immer noch drei Viertel.

Das hätten Auswertungen verschiedener Studien, etwa der Berliner Altersstudie und der Augsburger Seniorenstudie ergeben, sagte Berger beim Neurologen-Kongress in Berlin. Erwartungsgemäß steigt jedoch die Demenzinzidenz mit dem Alter. Etwa 20 Prozent der über 75-Jährigen haben leichte kognitive Einschränkungen (Mild Cognitive Impairment, MCI), und etwa sechs Prozent der 75 bis 79-Jährigen haben eine manifeste Demenz, sagte Berger.

Bereits bei hochnormalem Druck ist Kognition schlechter

Ein wichtiger Risikofaktor für eine Demenz ist ein hoher Blutdruck. Das ist inzwischen in größeren Studien belegt worden. Und offenbar haben auch Hypertoniker ohne Demenz bereits schlechtere kognitive Leistungen. Darauf hat Professor Stefan Knecht von der Uniklinik Münster hingewiesen. Knecht berichtete von ersten Ergebnissen der SEARCH-Health*-Gesundheitsstudie. Dabei wurden die Teilnehmer etwa auf ihre kognitiven Leistungen hin untersucht.

"Je höher der Blutdruck, desto schlechter war die Kognition", lautet ein erstes Fazit des Studienleiters. "Bereits bei einem hochnormalen Blutdruck von 120 bis 140 mmHg haben wir deutlich häufiger kognitive Beeinträchtigungen festgestellt." Ähnliches gelte für einen erhöhten HbA1c-Wert über 6 etwa bei scheinbar Gesunden, sowie bei Vorhofflimmern. In Studien müsse nun geprüft werden, ob eine konsequente Blutdruck- und Blutzuckereinstellung die kognitiven Leistungen steigere.

SEARCH: Systematic Evaluation and Alteration of Risk factors for Cognitive Health

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