Ärzte Zeitung, 18.01.2008

Ist die Nachtruhe durch Fluglärm gestört, steigt der Blutdruck

Europäische Studie mit 5000 Anwohnern in der Nähe von sechs großen Flughäfen

BERLIN (run). Menschen, die nächtlichem Fluglärm ausgesetzt sind, haben häufiger einen erhöhten Blutdruck als Bewohner ruhiger Wohngebiete. Das geht aus der europäischen Studie HYENA× hervor.

 Ist die Nachtruhe durch Fluglärm gestört, steigt der Blutdruck

Fluglärm ist in vielen Wohngegenden nahe großer Flughäfen eine alltägliche Belastung.

Foto: Bilderbox

An der Untersuchung, an der auch das Umweltbundesamt beteiligt war, nahmen fast 5000 Anwohner teil. Sie lebten seit mindestens fünf Jahren nahe der Flughäfen Amsterdam, Athen, Berlin, London, Mailand und Stockholm. Wissenschaftler ermittelten bei den zwischen 45 und 70 Jahre alten Probanden die Wirkungen des Fluglärms auf die Gesundheit - vor allem auf den Blutdruck im Vergleich zu Anwohnern ruhiger Gegenden. Die nächtliche Belastung der Testpersonen lag zwischen 30 und 60 dB (A). Als Grenzwert für einen Bluthochdruck wurden die WHO-Werte 140/90 mmHg genommen.

Auch ständiger Straßenlärm wirkt auf den Blutdruck

Die erste Auswertung ergab für alle Flughäfen, dass Personen, die Nachtfluglärm ausgesetzt waren, bei den Messungen zu Hause häufiger erhöh- te Blutdruckwerte aufwiesen oder häufiger bereits wegen eines Hypertonus in ärztlicher Behandlung waren als die Vergleichspersonen. Detailliertere Auswertungen und Zahlen sollen nach Angaben von Dr. Wolfgang Babisch aus Berlin, der den deutschen Studienteil leitete, noch folgen. Die Wissenschaftler ermittelten bereits aus den Daten, dass ein um 10 dB (A) höherer Fluglärmpegel das Risiko für Bluthochdruck signifikant um 14 Prozent bei Männern wie Frauen erhöht.

Außerdem wurden die gesundheitlichen Auswirkungen von Straßenverkehrslärm in der Nähe von Flughäfen erfasst. Auch hier kam heraus, dass eine längjährige Belastung offenbar den Blutdruck erhöht, wenn auch nicht so stark wie nächtlicher Fluglärm.

Da Bluthochdruck ein bekannter Risikofaktor für Herzerkrankungen und Schlaganfall ist, sehen die Studienautoren in ihren Ergebnissen ein gewichtiges Argument, die Maßnahmen zur Verringerung von Straßen- und nächtlichem Fluglärm zu verstärken. Doch wie stark ist das Risiko von Fluglärm im Vergleich zu anderen Risikofaktoren für Hypertonie? Auch hier liefert die Studie Hinweise, da etwa das Gewicht der Probanden berücksichtigt wurde. Danach sei das Risiko durch Übergewicht um ein Vielfaches höher als durch Flug- und Verkehrslärm, relativiert Babisch.

×HYENA steht für Hypertension and Exposure to Noise near Airports, Die Studie ist unter www.ehponline.org/docs/2007/10775/abstract.html im Internet veröffentlicht

STICHWORT

dB (A)

Das menschliche Ohr ist für verschiedene Tonhöhen unterschiedlich empfindlich. Für tiefe und für hohe Töne ist es relativ unempfindlich. Soll also ein tiefer Ton genauso laut empfunden werden wie ein Ton mittlerer Tonhöhe, muss man ihn verstärken. Diese relativ geringe Empfindlichkeit des Ohres für hoch- und niedrigfrequente Töne wird bei der Schallpegel-Messung durch die "A-Bewertung" berücksichtigt. Dafür wird ein Geräusch in die einzelnen Frequenz-Komponenten zerlegt. Hoch- und niedrigfrequente Töne werden dann bei der Berechnung des Dezibel (dB)- oder Schallpegelwertes entsprechend weniger berücksichtigt. Ein um 10 dB (A) erhöhter Wert, wird vom Menschen als verdoppelte Lautstärke empfunden.

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