Ärzte Zeitung online, 04.08.2008

Impfstoff gegen Bluthochdruck wird jetzt auch in Deutschland geprüft

HANNOVER/ORLANDO (eb). Eine Impfung gegen Bluthochdruck - das klingt zunächst wie Science Fiktion. Doch bereits Ende vergangenen Jahres wurden auf europäischen Kongressen und beim Herzkongress AHA in Orlando erste Erfolge mit einem Impfstoff namens CYT006-AngQb gegen Bluthochdruck vorgestellt. Jetzt läuft auch eine Studie in Deutschland.

 Impfstoff gegen Bluthochdruck wird jetzt auch in Deutschland geprüft

Foto: Klaro

Die Studie unter Leitung von Dr. Jan Menne von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) prüft das Präparat des Schweizer Biotechnologie-Unternehmens Cytos bei insgesamt 80 Patienten in ganz Deutschland, die einen leichten oder mittelschweren Bluthochdruck haben. Die Patienten bekommen innerhalb von fünf Wochen insgesamt zwölfmal eine Impfung mit dem Präparat.

Die Impfung soll im günstigsten Fall die Einnahme von blutdrucksendenden Tabletten ganz oder teilweise überflüssig machen. Um eine vorbeugende Impfung, wie etwa eine Impfung gegen Grippe, handelt es sich also nicht.

Ergebnisse darüber, wie stark das Präparat wirkt und wie lange eine solche Wirkung anhält, gibt es frühestens Ende 2009, wie Menne betonte. Im Nachrichtenmagazin "Focus" wird bereits spekuliert, ob der Impfstoff Millionen von Hypertonikern die Einnahme von Antihypertensiva ersparen könnte.

Das Präparat der wurde an der MHH und an anderen deutschen Kliniken versuchsweise bereits in geringeren Dosierungen gespritzt. Die Wirkung ließ, wie schon aus früheren Tests bekannt, nach einigen Monaten wieder nach.

In der deutschen Studie wird geprüft, ob der Wirkstoff in höherer Dosis eine dauerhafte Bluthochdruck-Senkung erzielt. Dafür bekommen die Patienten zwölf Injektionen in fünf Wochen.

Der Impfstoff induziert die Bildung von Antikörpern, die gegen Angiotensin II gerichtet sind. Angiotensin II ist ein Protein, das den Blutdruck erhöht. In früheren Untersuchungen war mit ambulanter 24-Stunden-Blutdruckmessung festgestellt worden, dass die Impfung mit der höheren von zwei getesteten Impfdosen (100 oder 300 µg) den Blutdruck signifikant senkt. Im Mittel wurde der systolische Blutdruck im Tagesverlauf um 5,6 mmHg und der diastolische um 2,8 mmHg gesenkt.

"Die bisher beobachteten Nebenwirkungen sind gering", sagte Menne. Allerdings sei noch unklar, wie sich eine Langzeit-Impfung auswirke. Deswegen würden zunächst nur Patienten getestet, die außer Bluthochdruck keine anderen Erkrankungen haben. Sollten die Tests erfolgreich verlaufen, dauere es aber mindestens zwei bis drei Jahre, bis dieser sogenannte therapeutische Impfstoff generell eingesetzt werden könne, sagte Menne dem Radiosender MDR Info.

Bluthochdruck ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen. Jeder vierte Deutsche stirbt an Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenversagen, die durch Bluthochdruck verursacht werden. Risiken für Bluthochdruck selbst sind Übergewicht, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen wie erhöhtes Cholesterin oder Rauchen. Aber auch schlanke Nichtraucher ohne solche Stoffwechselstörungen können erhöhten Blutdruck haben (essenzielle Hypertonie).

Lesen Sie auch:

Erste Erfolge mit Impfstoff gegen Bluthochdruck

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »