Ärzte Zeitung online, 11.05.2009

Acht neue Blutdruck-Gene entdeckt

GREIFSWALD (eb). Wissenschaftler der Uni Greifswald haben zusammen mit Forschern aus Europa und den USA acht häufige Genvarianten identifiziert, die den Blutdruck beeinflussen. "Die Wissenschaftler sind damit der Aufklärung der genetischen Ursachen dieser weit verbreiteten Erkrankung ein großes Stück näher gekommen", erklärte der Direktor des Greifswalder Institutes für Physiologie, Professor Rainer Rettig.

Die Greifswalder Wissenschaftler "durchsiebten" das menschliche Genom auf der Suche nach Genvarianten, die sich auf den Blutdruck auswirken. Dabei verglichen sie etwa 2,5 Millionen Genvarianten von über 4000 Studienteilnehmern aus Greifswald, Stralsund und Umgebung und maßen über 4000 Mal exakt den Blutdruck (Nature Genetics, online vorab, Mai 2009).

Weltweit wurden auf diese Weise über 34 000 Menschen untersucht. Gemeinsam gelang es dem internationalen Wissenschaftler-Verbund, acht genetische Varianten ausfindig zu machen, die jeweils ursächlich mit einem leicht erhöhten oder niedrigeren Blutdruck in Zusammenhang gebracht werden konnten.

Um sicher zu gehen, dass die Befunde auch wirklich zutreffen, überprüften die Wissenschaftler die gefundenen Genvarianten zusätzlich bei weiteren rund 90 000 Europäern und 12 000 Asiaten. Somit wurde im Rahmen dieser Studie die Genetik von über 136 000 Menschen analysiert, um die "Verursacher" des gefährlichen Bluthochdrucks aufzuspüren.

Obwohl jede einzelne der gefundenen Genvarianten den Blutdruck nur geringfügig (0,5-1 mmHg) beeinflusst, weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die Kombination ungünstiger Varianten das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen kann. Außerdem, so die Autoren der Studie, tragen die neuen Erkenntnisse dazu bei, die Ursachen des Bluthochdrucks besser als bisher zu verstehen und möglicherweise neue Methoden der Behandlung dieser Erkrankung zu finden. "Die Individualisierte Medizin ist auf dem Vormarsch", unterstrich Rettig. "Die Greifswalder Gesundheitsstudie (Study of Health in Pomerania -SHIP) mit Millionen Erbinformationen ist nur eine Massendatenansammlung. Im Austausch und Abgleich mit gleichwertigen Datenmengen anderer Forschungseinrichtungen und Regionen wird der über zehn Jahre aufgebaute Fundus zu einem äußerst wertvollen Instrument der Zukunftsforschung mit noch ungeahnten Potenzialen."

Weltweit sind etwa eine Milliarde Menschen von Bluthochdruck betroffen, in Deutschland allein etwa 15 bis 20 Millionen. Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für Herzerkrankungen und Schlaganfall und verursacht pro Jahr weltweit etwa sieben Millionen Todesfälle. Wichtige Ursachen für Bluthochdruck sind ein hoher Kochsalzkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch und eine genetische Veranlagung. Welche Gene dabei eine Rolle spielen, war bisher unbekannt.

Zum Abstract der Originalpublikation "Genome-wide association study identifies eight loci associated with blood pressure"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »