Ärzte Zeitung online, 18.08.2009

Portugal macht es vor: Erfolg im Kampf gegen zu viel Kochsalz in der Nahrung

Portugal macht es vor: Erfolg im Kampf gegen zu viel Kochsalz in der Nahrung

Foto: Michael Cohen©www.fotolia.de

Die portugiesische Hypertonie-Gesellschaft hat mit einer beispiellosen Medienkampagne Erfolge im Kampf gegen den nach ihrer Ansicht zu hohen Salzkonsum im Lande erzielt. Das portugiesische Parlament hat als Reaktion auf diese Kampagne inzwischen ein Gesetz verabschiedet, das den Salzgehalt in industriell hergestellten Lebensmitteln beschränkt, berichtete Dr. Luis Martins aus Porto jüngst beim ESH-Kongress in Mailand.

Wenn man die Leute beeinflussen wolle, müsse man "wie ein Politiker handeln", so Martins. Und das bedeute vor allem: maximale Präsenz in den Medien. Um größtmögliche Aufmerksamkeit für das PAASH (Portuguese Action Against Salt and Hypertension) getaufte Projekt zu erzielen, wurden unter anderem berühmte Persönlichkeiten wie Fußballstars als Unterstützer der Kampagne gewonnen. Ihr Initiator Martins ist nach eigenem Bekunden aufgrund vieler TV-Auftritte selbst zu einer im ganzen Land bekannten Persönlichkeit geworden.

Den Anstoß zur konzertierten Aktion in der Presse, im Internet sowie im Rundfunk und Fernsehen gaben Studiendaten, wonach der durchschnittliche Salzkonsum der Portugiesen dem Doppelten der empfohlenen Menge entspricht. Im Vorfeld der Kampagne waren ihre Initiatoren in einer Pilotstudie zu dem für sie erschütternden Ergebnis gelangt, dass die von Portugiesen im Schnitt konsumierte Menge an Salz bei fast 12 g pro Tag liegt.

Portugal zählt zu den europäischen Ländern mit der höchsten Rate an Schlaganfällen. Experten sehen einen Grund dafür in Blutdruckveränderungen infolge des hohen Salzkonsums. Als eine entscheidende Quelle wurde vor allem das im Brot versteckte Salz ausgemacht. Festgestellt wurde, dass im portugiesischen Brot im Schnitt knapp 20 g Salz pro Kilo enthalten waren. Ein Vergleich mit Brot aus sechs anderen Ländern ergab, dass der Salzgehalt im portugiesischen Brot damit um mehr als 50 Prozent höher war.

Die Kampagne erschöpfte sich nicht allein in Appellen. Gemeinsam mit der portugiesischen Bäcker-Vereinigung gelang es den PAASH-Initiatoren, ein Brot mit weniger Salz zu entwickeln, das trotzdem nicht an Geschmack zu wünschen übrig ließ. Wie richtig dieser Schritt war, zeigte sich im März dieses Jahres: Da nämlich beschloss das portugiesische Parlament ein Gesetz, das den Herstellern nicht nur zwingend vorschrieb, ab sofort den Salzgehalt von Lebensmitteln kenntlich zu machen, sondern das auch den Salzgehalt im Brot auf maximal 14 g pro Kilo beschränkte. (ob)

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