Ärzte Zeitung online, 16.09.2009

AstraZeneca hält IQWiG-Bericht zu Hypertonie für unzureichend

Neu-Isenburg (eb). Mit Kritik hat das Pharmaunternehmen AstraZeneca auf die jüngste Veröffentlichung des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) reagiert. Die am Mittwoch durch das Institut veröffentlichte Nutzenbewertung blutdrucksenkender Arzneimittel zur Behandlung der essenziellen Hypertonie ist nach Auffassung des Unternehmens nicht ausreichend.

"Das IQWiG hat maßgebliche Studien nicht berücksichtigt", sagte Henning Anders, Mitglied der Geschäftsleitung AstraZeneca Deutschland. Obwohl 16 Studien in den Abschlussbericht einbezogen wurden, basiert dessen Schlussfolgerung nach Ansicht von AstraZeneca weitgehend auf nur einer Studie aus den 90er Jahren. Im Ergebnis führt das IQWiG aus, dass Diuretika zur Behandlung des Bluthochdrucks für viele Patienten als Therapie der ersten Wahl gelten können.

AstraZeneca bemängelt vor allem, dass relevante Studien und international geltende Therapieleitlinien nicht berücksichtigt worden seien. "Der Abschlussbericht erkennt jetzt zumindest an, dass die Empfehlung für Diuretika nicht für alle Patienten uneingeschränkt gelten kann. Das IQWiG reagiert damit auf Stellungnahmen zum Vorbericht und macht einen Schritt in die richtige Richtung", sagte Dr. Kai Richter, Medizinischer Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung AstraZeneca Deutschland. "Leider findet diese Annäherung an die geltenden Therapieleitlinien keine Berücksichtigung im Fazit des Abschlussberichtes."

Das Pharmaunternehmen kritisiert zudem, dass nur fünf der im Markt verfügbaren Wirkstoffklassen in die Bewertung einbezogen wurden. "Wer einen Beitrag zur Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung in Deutschland leisten möchte, muss alle relevanten Wirkstoffklassen einbeziehen", so Richter weiter. "Das Vorgehen des Kölner Instituts entspricht nicht dem eigenen Anspruch."

"Heutzutage werden für die Therapie des Bluthochdrucks häufig verschiedene Wirkstoffklassen schon zu Beginn der Behandlung kombiniert", so Richter weiter. "Dies wird vom IQWiG leider völlig außer Acht gelassen." Das Unternehmen begrüßt in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass der Abschlussbericht eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Behandlung als Therapieziel unterstützt. Bedauert wird allerdings, dass dies im Fazit des Abschlussberichts nicht ausreichend deutlich wird. "Erst die Einbeziehung der gesamten Evidenz ermöglicht eine angemessene Bewertung der bestehenden Therapieoptionen, die Grundlage für eine individuelle und zielorientierte Therapie ist", so Richter.

Das Unternehmen verweist darüber hinaus auf mögliche Nebenwirkungen der Langzeittherapie mit Diuretika. Denn die so behandelten Patienten hätten ein erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken. Neben den Folgen für die betroffenen Patienten würde dies zu einer höheren Belastung des Gesundheitssystems führen. "Nach Schätzungen von Experten wäre bei der Umstellung von 70 Prozent der Hypertoniker auf Diuretika mit bis zu 36 000 Diabetes-Neuerkrankungen zu rechnen", so Anders. "Mehrausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in Milliardenhöhe wären zu erwarten."

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