Ärzte Zeitung, 11.05.2010

Verdicktes Herz deutet auf geschädigte Nieren

Der echokardiografisch dokumentierte Zustand des Herzens erlaubt anscheinend Rückschlüsse auf die Funktion der Nieren - zumindest dann, wenn eine Herzhypertrophie besteht.

Von Peter Overbeck.

Verdicktes Herz deutet auf geschädigte Nieren

Chronische Niereninsuffizienz erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. © Kaulitzki / fotolia.com

NEW YORK. Einiges spricht dafür, dass Herz und Nieren pathophysiologisch in einer Wechselbeziehung stehen. Epidemiologische Studien belegen etwa, dass mit zunehmender Verschlechterung der Nierenfunktion das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall ansteigt. Mittlerweile kursiert bereits der Begriff des "kardiorenalen Syndroms", der allerdings bei den Fachgesellschaften noch keine offizielle Akzeptanz gefunden hat. Denn noch bestehen, was die Mechanismen einer möglichen kausalen Beziehungen zwischen chronischer Niereninsuffizienz und kardiovaskulären Ereignissen betrifft, viele Unklarheiten.

Erhöhtes renales Risiko bei Linksherzhypertrophie

Hinweise auf eine Beziehung zwischen Herzveränderungen und renaler Schädigung liefert jetzt auch eine beim Kongress der US-amerikanischen Hypertonie-Gesellschaft (ASH) in New York präsentierte Studie. In dieser Studie hat eine Forschergruppe um Dr. Costas Tsioufis aus Washington untersucht, ob eine Vergrößerung der linkventrikulären Herzmuskelmasse in Bezug zur Verschlechterung der Nierenfunktion steht.

Die Forscher analysierten retrospektiv Daten von 6163 Männern, die aufgrund von Erkrankungen wie Hypertonie (83 Prozent), KHK (23 Prozent) oder Herzinsuffizienz (13 Prozent) ein hohes kardiovaskuläres Risiko hatten. Innerhalb eines Zeitraums von bis zu 14 Jahren (im Median 4,3 Jahre) kam es bei 5,8 Prozent der untersuchten Männer zu einer Verdopplung des Serumkreatinins, 7 Prozent entwickelten eine schwere Niereninsuffizienz (GFR unter 30 ml/min/1,73 m3) und 2,7 Prozent wurden dialysepflichtig. Diese Indikatoren für eine Nierenfunktionsverschlechterung sind dann in Abhängigkeit von echokardiografisch gemessenen Veränderungen der Herzmuskelmasse analysiert werden.

Ergebnis: Schon eine relativ moderate linksventrikuläre Hypertrophie war mit einem signifikant erhöhten Risiko für eine nach den drei Kriterien feststellbare Verschlechterung der renalen Funktion assoziiert. Mit jedem Anstieg des linksventrikulären Massenindexes um 42 g/m2 erhöhte sich das renale Risiko um etwa 50 Prozent. Demnach liefert der Grad der Herzdickung als "Marker" bereits gewisse Informationen über den Funktionszustand der Nieren.

Einen kausalen Zusammenhang zwischen Herz- und Nierenveränderungen kann die Studie allerdings nicht belegen. Sehr wahrscheinlich ist, dass der gemeinsame Nenner für die Schädigung beider Organe in einer anhaltenden Blutdruckerhöhung zu suchen ist. Je länger und höher die arterielle Druckbelastung, desto wahrscheinlicher ist die Entwicklung sowohl einer Linksherzhypertrophie als auch auch einer fortschreitenden Nierenschädigung.

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