Ärzte Zeitung online, 28.10.2010

Der Friseur - ein Mitstreiter gegen Bluthochdruck?

DALLAS (ob). Ist der Friseursalon ein geeigneter Ort, um ausgerechnet etwas gegen hohen Blutdruck zu unternehmen? Aber ja, glaubt eine Gruppe von US-Forschern - und liefert mit ihrer Studie gleich den Beweis.

Der Friseur - ein Mitstreiter gegen Bluthochdruck?

Waschen, schneiden, legen - und demnächst auch Beratung bei Bluthochdruck? Nach Studiendaten könnte das Sinn machen.

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In seiner Geschichte hat sich das Friseurhandwerk ja bekanntlich nicht nur mit dem Haareschneiden beschäftigt. Auch um die Gesundheit der Kundschaft hat man seit den Anfängen der Zunft eifrig gekümmert. Bis in die Neuzeit arbeitete der Friseur als Barbier und Bader, Hühneraugenschneider und Wundarzt, der schon die "kleine Chirurgie" beherrschte und auch im Zähneziehen bewandert war.

Daran mögen sich die Forscher um Dr. Ronald Victor aus Dallas erinnert haben, als sie auf die Idee kamen, dass der Friseursalon auch für das Hypertonie-Management von Nutzen sein könnte. Die Voraussetzungen dafür erschienen ihnen günstig. In den USA ist der "barbershop" für viele Kunden eine "kulturelle Institution" und ein Ort, an dem sich in gemütlicher Umgebung angenehm über alle mögliche Themen plaudern lässt. Warum dann nicht auch über Bluthochdruck?

Für ihre Studie haben die US-Forscher insgesamt 17 von schwarzhäutigen Besitzern geführte Friseursalons in Dallas County ausgewählt, dazu noch 1022 ihrer treuen männlichen Stammkunden, alle afroamerikanischer Abstammung (Arch Intern Med 2010, online). Einschlusskriterien für die Kunden waren die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente oder erhöhte Blutdruckwerte (≥ 135/85 mmHg; bei Diabetes ≥ 130/80 mmHg).

Die "barbershops" wurden dann einer Interventions- und einer Kontrollgruppe zugeteilt. In der Kontrollgruppe erhielten die Kunden bei ihrem Friseurbesuch lediglich eine Standardbroschüre zu Fragen des Bluthochdrucks. In der Interventionsgruppe wurde ihnen dagegen zusätzlich zum Haarschnitt auch eine Blutdruckmessung angeboten. Zudem sprach der Friseur regelmäßig das Thema Blutdrucksenkung an und animierte seine Kunde zu einem Arztbesuch, um weitere Gesundheitsfragen zu klären.

Die Beobachtung erstreckte sich über zehn Monate. In dieser Zeit stieg der Anteil der Kunden mit normotonen Blutdruckwerten in der Interventionsgruppe von initial 33,8 Prozent auf 53,7 Prozent. Auch in der Kontrollgruppe wurde ein - in diesem Ausmaß unerwarteter - Anstieg beobachtet, und zwar von 40,0 Prozent auf 51,0 Prozent. Der Erfolg der Intervention bilanziert sich demnach so: Der Anteil normotoner Kunden konnte absolut um 8,8 Prozentpunkte erhöht werden - ein signifikanter Unterschied im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Ob sich das geprüfte Konzept der Qualitätsverbesserung im Blutdruckmanagement auch auf längere Sicht als tragfähig erweist, muss in weiteren Studien geklärt werden. Skepsis ist angebracht: Immerhin waren es nicht zuletzt finanzielle Anreize, die in der Studie die Motivation der Friseure zum Mitmachen und die Bereitschaft ihrer Kunden zu Arztbesuchen befördert hatten.

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