Ärzte Zeitung online, 17.11.2010

Verödung von Nierennerven besiegt resistenten Bluthochdruck

CHICAGO (ob). Die "therapieresistente" Hypertonie ist besiegbar: Bei Patienten, bei denen ein stark erhöhter Blutdruck durch Medikamente kaum noch zu beeinflussen ist, bietet ein kathetergestütztes Ablationsverfahren die Möglichkeit zur anhaltenden Blutdrucksenkung.

Verödung von Nierennerven besiegt resistenten Bluthochdruck

Renale sympathische Nerven sind an der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Bluthochruck mitbeteiligt. Werden sie mittels Katheterablation ausgeschaltet, sinkt der Blutdruck.

© arsdigital.de / fotolia.com

Dieses neue Verfahren ist jetzt erstmals erfolgreich in einer randomisierten kontrollierten Multicenterstudie getestet worden, deren Ergebnisse Dr. Murray Esler aus Melbourne beim AHA-Kongress präsentiert hat.

Die Methode zielt darauf, selektiv die Aktivität renaler sympathischer Nerven auszuschalten, die an der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Bluthochruck mitbeteiligt sind. Sympathische Nerven verlaufen innerhalb der Adventitia der Gefäßwand der Nierenarterien. Ihre Denervation erfolgt endovaskulär durch kathetergestützte Hochfrequenzablation.

Der relativ einfache Eingriff dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Die Patienten erhalten vor der Ablation eine lokale Betäubung und ein Schmerzmittel. An der Studie waren auch vier deutsche Zentren beteiligt.

Insgesamt 106 Hypertoniker, deren systolischer Blutdruck trotz Behandlung mit drei oder mehr Antihypertensiva weiterhin deutlich erhöht war (im Schnitt: 178 mmHg), nahmen an der Studie teil. Davon sind 49 der Ablationsbehandlung unterzogen worden, die Übrigen bildeten die Kontrollgruppe.

Die Blutdruckausgangswerte waren in beiden Gruppen nahezu gleich. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, in der es im Schnitt praktisch keine Veränderungen gab, war nach sechs Monaten in der Ablationsgruppe eine signifikante Reduktion des in der Praxis gemessenen Blutdrucks um 33/11 mmHg zu verzeichnen. Parallel dazu wurde auch bei der häuslichen Blutdruckmessung (-22/12 mmHg) und bei der ambulanten 24-Stundenmessung (-11/7 mmHg) jeweils eine signifikante Senkung der Blutdruckwerte festgestellt.

Eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um mindestens 10 mmHg stellte sich nach Ablationstherapie bei 84 Prozent aller Patienten ein, im Vergleich zu 35 Prozent in der Kontrollgruppe. Schwere Komplikationen oder unerwünschte Effekte etwa auf die Nierenfunktion wurden nicht beobachtet.

Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Studienautoren klar für eine Mitbeteiligung renaler Nerven an der Genese der Hypertonie. Sie gehen davon aus, dass die durch Ablation dieser Nerven erzielte deutliche Blutdrucksenkung langfristig günstige Auswirkungen auf Morbidität und Mortalität haben wird.

Die Studienergebnisse sind zeitgleich mit der Präsentation online im Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht worden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromiss im Tauschhandel?

18:31 Kaum verkündet, war der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Doch jetzt soll der Koalitionsausschuss eine Einigung bringen. Offenbar bahnt sich ein Handel zwischen CDU und SPD an. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »