Ärzte Zeitung online, 08.02.2011

Mehr Honorar für gute Leistung: Kein Erfolgsrezept bei Bluthochdruck

Großbritannien hat den Schritt vor einigen Jahren gewagt und eine qualitätsorientierte Vergütung für Allgemeinärzte eingeführt. Doch eine nun publizierte Studie zeigt: Das Modell "Pay for Performance" hat nicht dazu beigetragen, die Qualität der hausärztlichen Versorgung von Patienten mit Bluthochdruck entscheidend zu verbessern.

Mehr Honorar für gute Leistung: Kein Erfolgsrezept bei Bluthochdruck

Mehr Honorar für erreichte Behandlungsziele? In Großbritannien hat sich bei der Behandlung von Hypertonikern kein positiver Effekt durch so ein Modell gezeigt.

© Udo Kroener / fotolia.com

BOSTON (ob). Je größer die Diskrepanz zwischen erwünschter und erbrachter medizinischer Versorgungsqualität, desto näher liegt der Gedanke, diese Kluft durch ein Verknüpfung von Behandlungsqualität mit finanziellen Anreizen in der ärztlichen Vergütung zu überwinden.

In Deutschland steht man bei der Entwicklung von qualitätsorientierten Vergütungsanteilen noch ganz am Anfang. In anderen Ländern wie den USA und Großbritannien hat man damit schon mehr Erfahrung.

Das umfangreichste europäische Projekt dieser Art ist 2004 in Großbritannien eingeführt worden. Ziel des "Pay for Performance" (P4P)-Programms ist, die Qualität der hausärztlichen Versorgung durch finanzielle Anreize zu verbessern.

Die in diesem Programm teilnehmenden Ärzte - die Teilnahme ist freiwillig, jedoch sind mehr als 99 Prozent aller britischen Praxen eingeschrieben - erzielen etwa ein Viertel ihres Einkommens in Abhängigkeit davon, wie gut sie definierte Qualitätsindikatoren erfüllen. Die britische Regierung hat dafür zusätzliche Gelder in Milliardenhöhe bereitgestellt.

Ob dieses Geld gut angelegt worden ist, darf nach den jetzt publizierten Ergebnissen einer Forschergruppe um Dr. Stephen Soumerai von der Harvard-Universität in Boston bezweifelt werden.

Sein Team hat zwischen Januar 2000 und August 2007 erhobene Daten von mehr als 470.000 Hypertonikern in 358 Praxen niedergelassener britischer Allgemeinmediziner ausgewertet (BMJ 2011 online).

Dabei verglichen sie die Versorgungsqualität in den beiden Zeiträumen vor und nach Einführung des P4P-Systems im Jahr 2004.

Ergebnis: Die Daten lassen keine eindeutig dem neuen Vergütungsmodell zuzuordnende Qualitätssteigerung in der hausärztlichen Versorgung von Hypertonikern erkennen.

Weder beim Blutdruck-Monitoring noch bei der Intensität der Behandlung gab es nennenswerte Unterschiede zwischen beiden Perioden.

Auch auf die Inzidenz von klinischen Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Niereninsuffizienz oder auch Todesfälle hatte das System der qualitätsorientierten Vergütung keinen relevanten Einfluss.

Der Grund dafür könnte gewesen sein, dass das Anforderungsniveau der qualitativen Zielvorgaben zu niedrig angesetzt worden war, um noch als Anreiz wirken zu können.

Schon in der Periode vor Einführung des P4P-Vergütungsmodells war die Versorgung von Patienten mit Bluthochdruck relativ gut, so dass viele der geforderten Qualitätskriterien in der Praxis bereits de facto erfüllt wurden.

Das bedeutet: Viele Ärzte erhielten eine qualitätsorientierte Zusatzvergütung für das, was sie sowieso schon taten - ein Umstand, den man auch als Verschwendung von Ressourcen im Gesundheitswesen bezeichnen könnte.

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