Ärzte Zeitung online, 02.05.2011

Wie "resistenter" Bluthochdruck erfolgreich bekämpft werden kann

Bei einer nicht geringen Zahl von Patienten mit Bluthochdruck erweisen sich selbst drei oder mehr Medikamente als stumpfe Waffe. Jetzt gibt es eine neue Option, um die hartnäckig erhöhten Blutdruckwerte doch noch in den Normalbereich zu senken: die interventionelle renale Sympathektomie.

Von Peter Overbeck

Wie "resistenter" Bluthochdruck erfolgreich bekämpft werden kann

Schematische Darstellung der Denervierung von renalen Sympathikus-Nervenfasern durch Verödung per Hochfrequenzstrom.

© Ardian Inc

Das pathophysiologische Konzept, zur Senkung des Blutdrucks an der Überaktivität des sympathischen Nervensystems anzusetzen, ist nicht neu.

Noch in den 50er Jahren ist als Ultima-Ratio-Option bei maligner Hypertonie die operative Sympathektomie vorgenommen worden. Dass diese aufwändige chirurgische Form der Hypertonie-Behandlung sich nicht auf breiter Basis durchgesetzt hat, überrascht nicht.

Dank moderne Kathetertechnik besteht heute die Möglichkeit, diesen längst aufgegebenen Therapieansatz in modifizierter und weitaus schonenderer Form wieder in die Hochdruck-Behandlung einzuführen. Angriffspunkt sind dabei Nervenfasern des sympathischen Nervensystems, die sich um die Nierenarterien legen und bis in die Adventitia eindringen.

Inzwischen weiß man, dass diese renalen Nervenfasern maßgeblich die Aktivität des gesamten sympathischen Nervensystems bestimmen.

Mit der interventionellen renalen Sympathikusdenervation steht heute ein neues Verfahren zur Verfügung, mit dem sich diese an der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Bluthochdruck beteiligten Nervenfasern gezielt veröden lassen.

Ihre bilaterale Denervation erfolgt endovaskulär durch kathetergestützte Hochfrequenzablation. Der relativ einfache Eingriff dauert 40 bis 60 Minuten. Die Patienten erhalten eine lokale Betäubung und ein Schmerzmittel.

Dass diese Intervention bei Patienten mit "resistenter" Hypertonie den Blutdruck effektiv und nachhaltig senken kann, belegen Ergebnisse einer jüngst publizierten randomisierten kontrollierten Studie. Wesentlichen Anteil daran hatte die Arbeitsgruppe um Professor Michael Böhm in Homburg/Saar.

Wie sein Mitarbeiter Dr. Felix Mahfoud beim DGK-Kongress in Mannheim berichtete, sind dafür Patienten ausgewählt worden, die trotz Einnahme von durchschnittlich fünf bis sechs Medikamenten noch immer einen deutlich erhöhten Blutdruck hatten.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe, in der es im Schnitt keine nennenswerten Veränderungen gab, war nach sechs Monaten in der Gruppe mit selektiver renaler Sympathektomie eine signifikante Reduktion des Blutdrucks um im Mittel 33/10 mmHg zu verzeichnen.

Auch bei der häuslichen Blutdruckmessung und bei der ambulanten 24-Stundenmessung wurde jeweils eine signifikante Senkung der Blutdruckwerte festgestellt. Eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um mindestens 10 mmHg stellte sich nach Ablationstherapie bei 84 Prozent aller Patienten ein, im Vergleich zu 35 Prozent in der Kontrollgruppe.

Die renale Sympathikusdenervation hatte auch noch einen günstigen metabolischen Effekt: Sie verbessert auch den Glukosestoffwechsel, berichtete Mahfoud. Entsprechende Studienergebnisse hat seine Arbeitsgruppe gerade noch rechtzeitig zum DGK-Kongress veröffentlicht (Circulation online).

Nach anfänglich 118 mg/dl betrug der Nüchternblutzucker der Patienten drei Monate nach Denervation im Schnitt nur noch 108 mg/dl. Auch bei den Insulinspiegeln wurde eine signifikante Reduktion beobachtet. Zudem war eine signifikante Verbesserung der Insulinsensitivität festzustellen, so Mahfoud.

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