Ärzte Zeitung online, 02.02.2012

Blutdruck immer an beiden Armen gleichzeitig messen

Der Blutdruck sollte möglichst immer an beiden Armen gemessen werden. Denn dabei entdeckte Seitendifferenzen der Blutdruckwerte können wichtige diagnostische und prognostische Hinweise geben - beispielsweise im Zusammenhang mit der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit.

Blutdruck immer an beiden Armen messen

Blutdruckmessung: Optimal ist eine Messung an beiden Armen gleichzeitig.

© momentphoto / robert michael / imago

EXETER (ob). In Hypertonie-Leitlinien wird die beidseitige Blutdruckmessung schon seit längerem empfohlen - primär deswegen, damit Messfehler vermieden werden. In der Praxis wird diese Empfehlung allerdings kaum befolgt.

Eine Forschergruppe um Dr. Christopher E. Clark aus Exeter sieht darin ein Manko. Denn nach ihrer Ansicht werden so Chancen auf eine frühe Entdeckung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) vergeben und wichtige prognostische Warnsignale übersehen.

Clark und seine Kollegen haben gepoolte Daten aus 20 Studien, darunter fünf invasive Studien mit angiografischer Bildgebung, ausgewertet, in denen es um die Frage der Seitendifferenz von Blutdruckwerten ging (The Lancet 2012; online 30. Januar).

Risiko für PAVK um Faktor 2,5 erhöht

In den invasiven Studien unterschieden sich die Blutdruckwerte bei Patienten mit gesicherter Stenose der A. subclavia im Mittel um 36,9 mmHg. Bereits bei Unterschieden von 10 mmHg war eine enge Assoziation mit Subclavia-Stenosen zu beobachten.

Wie die Analyse der Studien ohne invasive Bildgebung ergab, ging eine Seitendifferenz der Blutdruckwerte von 15 mmHg oder mehr mit einer um 60 Prozent höheren Gesamtmortalität und einer um 70 Prozent höheren kardiovaskulären Mortalität einher. Das Risiko für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) war in diesem Fall sogar um den Faktor 2,5 erhöht.

Die Studienautoren halten deshalb die Blutdruckmessung an beiden Armen für eine hilfreiche Methode zur Diagnose einer PAVK. Die Spezifität betrug bei Unterschieden über 15 mmHg immerhin 96 Prozent.

Als Screening-Methode sei sie wegen geringer Sensitivität aber ungeeignet, urteilen die beiden Autoren eines begleitenden Editorials. Auch komme es sehr auf die Art der Blutdruckmessung an, die am besten simultan - und nicht hintereinander - an beiden Armen vorgenommen werden sollte.

[03.02.2012, 18:40:34]
Karl-Georg Vaith 
Ein Symptom um einen Hinweis über die Arteriosklerose der Gefäße festzustellen.
Die Blutdruckamplitude sollte hier 50 mm nicht übersteigen !

Durch die Therapie einer vorhandenen Hypertonie, kann die Pathophysiologie meist gut reduziert oder verlangsamt werden. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »