Ärzte Zeitung, 10.07.2012

Was der Blutdruck über die Hirnleistung aussagt

Lässt sich bei Menschen über 70 am Blutdruck ablesen, wie geistig fit sie sind? Ja, sagen japanische Forscher. Sie haben in ihrer Studie einen Zusammenhang festgestellt.

Stark schwankender Blutdruck spricht für geistigen Abbau

Bei vielen Patienten schwankt der Blutdruck stark.

© Lisa F. Young / fotolia.com

NEU-ISENBURG (rb). In einer Studie mit 201 Senioren im Alter von 70 und darüber hatten japanischen Hypertensiologen deren Blutdruckwerte ein Jahr lang monatlich gemessen (J Hypertens 2012, online 21. Juni).

Alle Probanden wurden zudem auf ihre kognitive Leistungsfähigkeit untersucht. Dafür absolvierten sie den Mini-Mental-State-Test (MMST; Werte von 0 bis 30, Werte ab 24 und darunter sprechen für kognitive Einbußen).

Außerdem stufte man sie anhand der Reisberg-Skala ein (1 bis 7, Werte von 3 bis 7 gelten als leichte bis sehr schwere Demenz).

Je schlechter, desto größer

Bei der Auswertung ergaben sich signifikante Zusammenhänge zwischen der Differenz des maximal und minimal gemessenen systolischen sowie diastolischen Blutdrucks und den kognitiven Funktionen - je schlechter diese, desto größer jene.

Auch der prozentuale Anteil, den die mittlere Schwankung des systolischen Blutdrucks (Standardabweichung) am systolischen Mittelwert aller zwölf Messungen hatte, korrelierte mit den geistigen Leistungen: je größer der Anteil, desto niedriger der MMST-Wert und desto höher die Bewertung mit der Reisberg-Skala.

Als Studienmittelwerte errechneten sich 47,6 mmHg für die Differenz der systolischen und 32,9 mmHg für den Unterschied der diastolischen Messwerte.

Der Anteil der systolischen Standardabweichung am systolischen Mittelwert erreichte durchschnittlich 22,3 Prozent. Schwellenwerte, die den Übergang vom tolerablen zum gefährlichen Bereich markieren würden, sind daraus aber nicht abzuleiten.

Hinweis auf versteifte arterielle Gefäße?

Nicht nur die Höhe des Blutdrucks, sondern auch die Schwankungen des Drucks korrelieren demnach mit kognitiven Beeinträchtigungen.

Folgt man den japanischen Forschern, ist dies vermutlich ein Hinweis auf bereits versteifte arterielle Gefäße. Dies vermindert die Fähigkeit, Druckausschläge nach oben und unten zu dämpfen.

Bekannt ist, dass die weiße Hirnsubstanz auf ungleichmäßige, fluktuierende Perfusion besonders empfindlich reagiert. So kann eine hohe Blutdruckvariabilität selbst dann ischämische Schäden anrichten, wenn die Blutdruckwerte normal sind.

Quelle: www.springermedizin.de

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