Ärzte Zeitung, 13.07.2007

Sommerakademie 2007

Eine konsequente Statin-Therapie rettet Leben

LDL-Senkung mit Statinen schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall / Diabetiker profitieren besonders

Eine konsequente Statin-Therapie rettet Leben bei Patienten mit KHK, Diabetes oder Schlaganfall, und zwar auch dann, wenn die LDL-Werte nicht übermäßig hoch sind. Darauf deuten immer mehr Studien. Das hat zur Folge, dass immer weniger Menschen an den Folgen einer KHK sterben müssen.

Reißt dieser Lipidplaque, kann es zu Gefäßverschluss kommen. Foto: Falk / Shah

Neue Daten dazu gibt es etwa aus den USA. Dort starben im Jahr 2000 nur halb so viele Menschen an den Folgen einer KHK wie noch zwei Jahrzehnte zuvor. So hat sich die KHK-Sterberate seit 1980 halbiert, und zwar von 543 auf 267 pro 100 000 Männer und von 263 auf 134 pro 100 000 Frauen (NEJM 356, 2007, 2388).

Ein Viertel dieser Reduktion wird auf eine Abnahme des Cholesterinspiegels zurückgeführt - und hierbei hat die Statin-Therapie einen großen Anteil. Damit zeigt sich auch in der Praxis, was längst aus Studien bekannt ist: Statine retten Leben.

  • Mit Simvastatin wurde dies erstmals in der Studie 4S* bei 4400 KHK-Patienten belegt: Mit dem Statin gab es im Vergleich zu Placebo 42 Prozent weniger koronar bedingte Todesfälle. Und in der HPS*-Studie wurde mit Simvastatin gezeigt, dass alle kardiovaskulären Risiko-Patienten von einer Statin-Therapie profitieren, egal ob mit Diabetes, KHK, nach Apoplexie oder mit AVK: Mit dem Statin starben in fünf Jahren 7,6 Prozent an vaskulären Ursachen, mit Placebo 9,1 Prozent.
  • Von Pravastatin profitierten in Studien über 20 000 Patienten mit KHK oder mit erhöhten Cholesterinwerten: Die Mortalität nach 5,6 Jahren mit Pravastatin war um 20 Prozent niedriger als mit Placebo.
  • Mit Lovastatin (Mevinacor® und generisch) wurde belegt, dass eine Statin-Therapie auch in der Primärprävention bei nur mäßig erhöhten Lipidwerten nützt: Über 6600 Patienten ohne bekannte Atherosklerose mit einem LDL-Wert von im Schnitt 150 mg/dl bekamen fünf Jahre Lovastatin. Damit kam es zu 36 Prozent weniger Koronar-Ereignissen als mit Placebo (183 versus 116).
  • Studien mit Fluvastatin (erhältlich als Cranoc® und Locol®) zeigten schließlich, dass Statine auch bei Angina pectoris nützen: In einer Studie kam es mit täglich 80 mg des Statins zu 22 Prozent weniger schweren kardiovaskulären Ereignissen als mit Placebo (26,7 versus 21,4 Prozent). Diabetiker profitierten noch mehr: Bei ihnen war die Rate sogar um 47 Prozent reduziert.
  • Atorvastatin beugt auch einem erneuten Schlaganfall vor, wenn keine KHK besteht, hat die SPARCL*-Studie mit über 4700 Schlaganfall-Patienten belegt. Nach knapp fünf Jahren Therapie betrug die Inzidenz von Schlaganfall-Rezidiven mit Placebo 13,1 und mit Atorvastatin 11,2 Prozent - das sind 16 Prozent weniger. Und in der Studie ASCOT* profitierten Hypertoniker mit einem LDL-Wert von 130 mg/dl und ohne KHK von einer Atorvastatin-Therapie: Die Rate für kardiale Ereignisse war nach drei Jahren um 36 Prozent geringer als mit Placebo (1,9 versus 3 Prozent).
  • Rosuvastatin ist ein sehr potenter LDL-Senker. 80 mg pro Tag reduzieren den LDL-Wert um 65 Prozent. Bereits mit 10 mg täglich erreichten in Studien 86 Prozent ihren LDL-Zielwert. Rosuvastatin ist in Deutschland noch nicht erhältlich. (mut)

*4S: Scandinavian Simvastatin Survival Study. ASCOT: Anglo-Scandinavian Cardiac Outcomes Trial. HPS: Heart Protection Study.

SPARCL: Stroke Prevention by Aggressive Reduction in Cholesterol Levels.

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