Ärzte Zeitung, 27.07.2007

Sommerakademie 2007

Diabetes-Vorstufe rasch erkannt

Bereits bei gestörter Glukosetoleranz sind Patienten kardial gefährdet

Bereits eine gestörte Glukosetoleranz, die Diabetes-Vorstufe, fördert Herzinfarkt und Schlaganfall. Und: Gestörte Glukosetoleranz wird immer noch zu spät diagnostiziert.

Ein Verdacht auf gestörte Glukosetoleranz besteht immer bei Menschen mit metabolischem Syndrom, erinnert Dr. Eva-Maria Fach aus Rosenheim. Die Diagnose ist "eigentlich eine Blickdiagnose", so Fach. Bei abdomineller Adipositas empfiehlt die Diabetologin ein Screening mit:

  • Blutdruckmessung,
  • Nüchtern-Blutentnahme mit Bestimmung von Blutzucker, Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Triglyzeriden und Harnsäure
  • Bestimmung des Body-Mass-Index (BMI), errechnet aus Körpergröße und Körpergewicht und
  • Messung des Taillenumfangs. Der Taillenumfang wird in der Mitte zwischen Rippenbogen und Hüftknochen gemessen, und zwar am stehenden, entkleideten und normal atmenden Patienten.

Der Taillen- oder Bauchumfang hat einen höheren Stellenwert für das kardiovaskuläre Risiko als der BMI, denn er ist ein Maß für das abdominelle Fettgewebe. Dieses ist wegen seiner Hormonproduktion ein wichtiger Faktor beim metabolischen Syndrom und damit auch bei der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Je mehr abdominelles Fett ein Patient hat, um so größer ist sein kardiovaskuläres Risiko.

Sind außer einem erhöhten Bauchumfang zwei Parameter auffällig, etwa der Blutdruckwert und das LDL-Cholesterin, spricht man vom metabolischen Syndrom. Wenn bereits die Diagnose Typ-2-Diabetes steht und der Patient einen erhöhten Bauchumfang hat, ist von einem metabolischen Syndrom auszugehen.

Bei Patienten mit familiärer Belastung für Typ-2-Diabetes (Verwandte 1. Grades von Typ-2-Diabetikern) und einem auffälligen Blutglukose-Wert sollte ein oGTT gemacht werden. Dieser ist auch bei Frauen mit Gestationsdiabetes in der Anamnese oder einem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) indiziert. Da Patienten mit einer Acanthosis migrans oder mit Schizophrenie ein höheres Diabetesrisiko haben, ist auch bei ihnen der oGTT gerechtfertigt.

Gesichert wird die Diagnose durch einen oralen Glukosetoleranz-Test. Er ist zu empfehlen, wenn Nüchtern-Blutzuckerwerte zwischen 100 und 110 mg/dl im Vollblut liegen, oder wenn spontan zwischen 140 und 200 mg/dl Blutzucker gemessen werden. (eb)

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