Ärzte Zeitung, 17.06.2015

Kommentar zu Lipidsenkern

Sturm im Wasserglas

Von Thomas Müller

Man muss sich schon fragen, was die US-Behörde FDA vor mehr als drei Jahren geritten hat, als sie nach Einzelfallberichten über Gedächtnisverlust und Verwirrtheitszustände unter Statinen warnte, solche Probleme könnten durch die Medikation verursacht werden.

Selbst in der FDA-eigenen Postmarketing-Datenbank zu unerwünschten Wirkungen fanden sich nicht häufiger Klagen über kognitive Probleme unter Statinen als bei anderen Herzkreislaufmedikamenten: Pro eine Million Verschreibungen gab es rund zwei derartige Berichte.

Nun haben Forscher herausgefunden, dass Patienten unmittelbar nach dem Beginn einer Statintherapie vierfach häufiger kognitive Defizite entwickeln als Patienten ohne Statine. Zum Glück haben sie auch geschaut, was beim Beginn einer Lipidsenkung ohne Statine geschieht - das Ergebnis war ähnlich.

Sie haben jedoch nicht geprüft, ob diese Probleme auch zum Start einer Therapie mit Antihypertensiva, Antidiabetika oder Plättchenhemmern auftreten - zu vermuten wäre es. Denn Ärzte achten bei jeder neuen Behandlung genau auf deren Auswirkungen und stoßen so auch auf Probleme, die nichts damit zu tun haben.

Man kann also nur hoffen, dass sich dieser Sturm im Wasserglas rasch wieder legt und nicht weiter Ärzte und Patienten verunsichert.

Lesen Sie dazu auch:
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[18.06.2015, 00:40:35]
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Was wäre denn, wenn a l l e Lipidsenker tatsächlich in den ersten 30 Tagen kognitive Probleme wie Vergesslichkeit, Gedächtnisverlust und Verwirrtheits-Zustände verstärken und folglich dann alle Patienten vergessen, diese Medikamente überhaupt regelmäßig einzunehmen?

Wären dann nicht Ursache und Wirkung vertauscht worden?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Grimaud/F)
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