Ärzte Zeitung, 30.07.2015

Dialysepflicht

Welchen Nutzen bringen Statine?

Entgegen dem Anschein zweier einschlägiger Studien scheinen manche Dialyse-Patienten von Statinen zu profitieren.

MANNHEIM. Dialysepflichtige Patienten mit niedriger Cholesterin-Aufnahme profitieren durchaus von Atorvastatin, hat sich bei einer post-hoc-Analyse von zwei Studien herausgestellt.

Zunächst hatten diese großen prospektiven randomisierten, kontrollierten Studien - die 4 D-Studie mit Atorvastatin und die AURORA-Studie mit Rosuvastatin - ein abweichendes Bild ergeben.

Jeweils im Vergleich zu Placebo reduzierten die Statine das Risiko dialysepflichtiger Patienten für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursachen (als primärer kardiovaskulärer Endpunkt in den Studien definiert) nicht, teilt die Universitätsmedizin Mannheim mit.

In der post-hoc-Analyse der Daten von 1030 Teilnehmern der 4D-Studie hätten Forscher aus Würzburg und Mannheim deren Cholesterin-Aufnahmerate aus dem Darm (Verhältnis von Cholestanol zu Cholesterin im Blut) bestimmt. Sie unterteilten das Kollektiv in drei Gruppen nach geringer, mittlerer und hoher Cholesterinaufnahme.

Dabei entdeckten sie, dass Patienten mit niedriger Cholesterin-Aufnahme durchaus von Atorvastatin profitieren (hazard ratio für den primären Endpunkt: 0,72; p = 0,049), nicht aber Patienten mit hoher Cholesterin-Aufnahme (hazard ratio: 1,21; p = 0,287) (JACC 2015; 65(21):2291-8).

Es gebe also einen Zusammenhang zwischen der Herkunft des Cholesterins und dem Ansprechen auf Statine, heißt es in der Mitteilung. Die Ergebnisse legten nahe, eine Therapie von Dialyse-Patienten mit Statinen davon abhängig zu machen, ob es sich um Patienten mit hoher oder niedriger Cholesterin-Absorption handelt.

Zwar sei die Bestimmung des Cholestanols noch nicht in allen Laboren ausreichend standardisiert, aber auch mit der Bestimmung einfacher genetischer Marker könnte es recht bald möglich sein, Patienten mit hoher und niedriger Cholesterinaufnahme im Darm zu erkennen.

Alternativ empfehle sich das Konzept der kombinierten Lipid-Senkung bei Hämodialyse-Patienten mit einem Statin und einem Cholesterinabsorptionshemmer. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. Offenbar fällt es aber schon Kindern schwer, ihre Bewegungsmuster zu ändern. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethische Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »