Forschung und Praxis, 25.10.2004

Clopidogrel - neue Mega-Studien am Horizont

Wirksamkeit auch bei akutem Myokardinfarkt geprüft

Zum Nutzen des Plättchenhemmers Clopidogrel beim akuten Myokardinfarkt mit ST-Strecken-Hebung im EKG gibt es bislang keine Erfahrungen. Forscher trauen dem Plättchenhemmer allerdings zu, in dieser Akutsituation den Erfolg der Reperfusionsbehandlung und die Prognose der Patienten weiter verbessern zu können. Ob diese Erwartung berechtigt ist, wird sich in zwei laufenden Studien entscheiden.

Daß Clopidogrel und ASS in der Prävention atherothrombotischer Ereignisse mehr bewirken als ASS allein, hat die CURE-Studie erstmals klar unter Beweis gestellt. Hier profitierten Patienten mit akutem Koronarsyndrom (instabile Angina pectoris und Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt) von der zusätzlichen Therapie mit Clopidogrel.

Ob das Konzept der dualen Plättchenhemmung auch beim Myokardinfarkt mit ST-Strecken-Hebung von Nutzen ist, ist mangels Studiendaten derzeit unklar. Die Antwort wird aber wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Denn zwei große Studien, die exakt diese Hypothese überprüfen, stehen kurz vor dem Abschluß.

In der COMMIT / CCS2-Studie wird bis Anfang 2005 die Zahl von 46 000 aufgenommenen Infarktpatienten wohl überschritten sein, prognostizierte Professor Zheng-Ming Chen aus Oxford. Geprüft wird, ob sich durch Zugabe von Clopidogrel zur Standardtherapie (einschließlich ASS) die Rate klinischer Komplikationen (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) in der Hospitalphase weiter reduzieren läßt.

Auch in der CLARITY / TIMI-28-Studie geht es um die Frage, ob sich mit Clopidogrel die derzeitige Standardtherapie (einschließlich ASS und Fibrinolyse) bei akutem ST-Hebungs-Myokardinfarkt optimieren läßt. Bei 3500 Infarktpatienten wird geprüft, ob Clopidogrel die Perfusion in der Infarktarterie verbessern und die Zahl der frühen Re-Infarkte und Todesfälle verringern kann.

Ergebnisse von zwei kleineren Pilotstudien stimmen das CLARITY-Forscherteam in dieser Hinsicht optimistisch, berichtete Studienleiter Professor Christopher Cannon aus Boston. In der ersten Studie stellten die Untersucher bei der angiographischen Kontrolle fest, daß durch Behandlung mit Clopidogrel der Anteil der Patienten mit offenen Infarktarterien (TIMI 2 / 3-Fluß) im Vergleich zu Placebo erhöht worden war (von 69 auf 84 Prozent). In der zweiten Studie registrierten die Untersucher nach zusätzlicher Behandlung mit Clopidogrel eine deutliche Reduktion von Ischämie-Rezidiven in der Zeit des Klinikaufenthaltes (von 16,8 auf 3,6 Prozent).

Nutzt Plättchenhemmer-Duo auch in der Langzeitprävention?

Eine additive Wirkung der kombinierten Plättchenhemmung mit Clopidogrel und ASS ist bisher beim akuten Koronarsyndrom und bei perkutaner Koronarintervention mit Stent-Implantation nachgewiesen worden. Ob auch ein breiteres Spektrum von Risikopatienten von der Wirkungsverstärkung dieses Plättchenhemmer-Duos profitiert, wird in der noch laufenden CHARISMA-Studie geprüft.

Mit 16 603 aufgenommenen Studienteilnehmern ist CHARISMA eine weitere Mega-Studie mit Clopidogrel. Geklärt werden soll, ob die Clopidogrel / ASS-Kombination auch in der Langzeitprävention bei Patienten mit hohem atherothrombotischen Risiko eine höhere klinische Effizienz besitzt als eine ASS-Monotherapie.

Studienteilnehmer sind sowohl Patienten mit bereits bestehender koronarer, zerebraler oder peripherer Gefäßerkrankung wie auch nicht vaskulär erkrankte Patienten mit multiplen Risikofaktoren für atherothrombotische Komplikationen. Primäres Effizienzkriterium für den Vergleich beider antithrombotischer Behandlungen ist die kombinierte Rate der Ereignisse vaskulärer Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall. (ob)

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