Forschung und Praxis, 13.12.2004

Schützt Clopidogrel beim akuten Myokardinfarkt?

Die Hemmung der Thrombozytenfunktion hat sich als Therapiekonzept auch beim akuten Myokardinfarkt mit ST-Streckenhebung bewährt. In der 1988 veröffentlichten ISIS-2-Studie konnte mit Acetylsalicylsäure (ASS) die Sterblichkeitsrate additiv zum Effekt der Lyse-Therapie signifikant gesenkt werden.

Daß durch gleichzeitige Plättchenhemmung mit Clopidogrel (Plavix®, Iscover®) und ASS mehr erreichbar ist als mit ASS allein, ist bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (instabile Angina pectoris und Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt) bereits nachgewiesen worden. Ob der Ansatz der dualen Plättchenhemmung auch beim Myokardinfarkt mit ST-Streckenhebung von stärkerer antithrombotischer Wirkung ist, wird gerade in zwei Studien untersucht. Ihre Ergebnisse werden im Jahr 2005 erwartet.

Die in China laufende COMMIT/CCS2-Studie wird Anfang 2005 voraussichtlich eine Teilnehmerzahl von 46 000 erreicht haben, berichtete Professor Zheng-Ming Chen aus Oxford auf einer von Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb ausgerichteten Pressekonferenz. Geklärt werden soll, ob sich durch Zugabe von Clopidogrel zur Standardtherapie (einschließlich 162 mg ASS pro Tag) die Rate klinischer Ereignisse (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) in den ersten vier Wochen nach akutem Myokardinfarkt reduzieren läßt.

Ein doppeltes Ziel verfolgen die Initiatoren der CLARITY / TIMI-28-Studie. Auch hier lautet die grundsätzliche Frage, ob sich mit Clopidogrel die derzeitige Standardtherapie (einschließlich ASS und Fibrinolyse) bei akutem ST-Hebungs-Myokardinfarkt optimieren läßt. Bei 3500 Infarktpatienten wird zum einen geprüft, ob Clopidogrel die Perfusion in der Infarktarterie verbessert, berichtete Professor Marc Sabatine aus Boston. Dazu wird bei allen Teilnehmern eine angiographische Kontrolluntersuchung vorgenommen. Zum anderen wird der Einfluß dieser Therapie auf Re-Infarkte und Todesfälle in der Frühphase untersucht. (ob)

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