Ärzte Zeitung, 15.02.2005

An der CURE-Studie führt kein Weg vorbei

Hochsignifikante Ergebnisse bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom / 500 000 Patienten pro Jahr in Deutschland

Je stärker eine Atherosklerose fortgeschritten ist, umso mehr profitieren Patienten von einem Plättchenhemmer - und um so mehr von Clopidogrel im Vergleich zu ASS.

Ein Beispiel für Patienten mit fortgeschrittener Atherosklerose und hoher kardiovaskulärer Gefährdung sind Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Etwa 500 000 Patienten sind jährlich in Deutschland davon betroffen. Dies sind doppelt so viele wie Herzinfarkt-Patienten.

CURE: Signifikante Risikoreduktion durch Clopidogrel
Primärer kombinierter Endpunkt: kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall
In CURE wurden Patienten mit akutem Koronarsyndrom mit Clopidogrel plus ASS oder mit ASS alleine (Basistherapie) behandelt.

Wie bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom die hohe Rate kardiovaskulärer Ereignisse durch eine plättchenhemmende Therapie vermindert werden kann, wurde in der Studie CURE (Clopidogrel in Unstable angina to prevent Recurrent ischaemic Events) untersucht. Dazu wurde geprüft, wie sich Clopidogrel plus ASS im Vergleich zu ASS alleine auf die Rate von Schlaganfall, Herzinfarkt und kardiovaskulären Tod auswirkt.

Ergebnis: Mit ASS betrug die Ereignisrate 11,4 Prozent, mit Clopidogrel plus ASS 9,3 Prozent. Dieser absolute Unterschied von 2,1 Prozentpunkten ist hochsignifikant. "Diese CURE-Ergebnisse kann man nicht abtun," sagt Professor Hans-Jürgen Rupprecht vom Klinikum Rüsselsheim. Diese Ergebnisse haben dazu geführt, daß in Leitlinien der Herzgesellschaften eine Clopidogrel-Langzeittherapie über neun bis zwölf Monate für Patienten mit akutem Koronarsyndrom empfohlen wird.

Profitieren auch andere Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko mehr von Clopidogrel als von ASS?

Hinweise darauf ergeben sich aus einer weiteren Studie zur Clopidogrel-Therapie, der CAPRIE-Studie. An ihr haben Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder AVK teilgenommen, Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko also. Geprüft wurde der Effekt von Clopidogrel plus ASS im Vergleich zu ASS auf die Rate kardiovaskulärer Ereignisse.

Ergebnis: Von Clopidogrel profitiert haben besonders Patienten mit mehreren atherosklerotischen Ereignissen, etwa Schlaganfall und Herzinfarkt oder einer Atherosklerose in mehreren Gefäßregionen und Patienten nach einer Bypaß-Operation, so Rupprecht. Der Kardiologe bezieht sich dabei auf Subgruppen-Analysen der CAPRIE-Studie. Diese Subgruppen waren in den Einschlußkriterien für die Studie vorher nicht definiert worden - mit Ausnahme der Subgruppe mit den AVK-Patienten.

Egebnis der Subanalyse bei AVK-Patienten: eine um 25 Prozent niedrigere Ereignisrate bei Patienten mit Clopidogrel im Vergleich zu Patienten mit ASS. (Rö/ts)

CAPRIE-STUDIE

Patienten: mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder AVK.

Design: Randomisiert, doppelblind.

Studienziel: Sekundärprophylaxe von Schlaganfall, Herzinfarkt, oder peripherer Verschlußkrankheit.

Medikation: Clopidogrel 75 mg versus ASS 325 mg, jeweils täglich.

Ergebnis: mit Clopidogrel gab es 8,7 Prozent weniger Ereignisse als mit ASS (p= 0,043).

CHARISMA-STUDIE

Patienten: Unter 45jährige mit koronaren, zerebrovaskulären Symptomen oder Symptomen einer peripheren, arteriellen Verschlußkrankheit oder mit mehreren Risikofaktoren.

Design: doppelblinde, randomisierte prospektive Studie. CHARISMA läuft noch.

Studienziel: Häufigkeit von vaskulärem Tod, nicht-tödlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Clopidogrel versus Standardtherapie.

CREDO-STUDIE

Patienten: mit KHK, die eine PTCA erhielten.

Design: doppelblind, placebokontrolliert.

Studienziel: Auswirkung einer Clopidogrel-Therapie vor und nach einer PTCA-Behandlung.

Nachbeobachtungszeit: 1 Jahr.

Ergebnis: Die Langzeit-Behandlung mit Clopidogrel war mit einer um 26,9 Prozent verminderten kombinierten Rate von Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall assoziiert.

CURE-STUDIE

Patienten: mit akutem Koronarsyndrom.

Design: randomisiert, doppelblind, placebo-kontrolliert.

Studienziel: Effizienz und Sicherheit der Behandlung von Clopidogrel und ASS im Vergleich zu ASS allein.

Ergebnis: Tod durch kardiovaskuläre Ursachen, nicht-tödliche Infarkte und Schlaganfall bei 9,3 Prozent mit Clopidogrel und bei 11,4 Prozent mit Placebo.

MATCH-STUDIE

Patienten: mit TIA oder Schlaganfall und hohem kardiovaskulären Risiko.

Design: randomisiert, doppelblind.

Studienziel: Überprüfung der Kombination Clopidogrel plus ASS im Vergleich zu Clopidogrel auf die Rate kardiovaskulärer Ereignisse.

Ergebnis: Kein signifikanter Unterschied bei der Ereignis-Rate, aber mehr Blutungen bei ASS.

PCI-CURE-STUDIE

Patienten: mit akutem Koronarsyndrom.

Design: randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert.

Studienziel: Ist Clopidogrel zusätzlich zu ASS, vor einer PTCA besser als Placebo bei der Verhinderung schwerwiegender ischämischer Ereignisse?

Medikation: 300 mg Clopidogrel oder Placebo.

Ergebnis: 31 Prozent weniger Todesfälle oder Herzinfarkte mit Clopidogrel.

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