Ärzte Zeitung, 15.04.2005

Bei der Lipidtherapie ist mehr Konsequenz gefragt

Nur die Hälfte der Patienten erreicht die LDL-Zielwerte / Vielfach ist eine kombinierte Behandlung nötig

WIESBADEN (djb). Obwohl klinische Endpunktstudien belegt haben, daß eine aggressive Lipidtherapie und niedrige LDL-Werte unter 70 mg/dl bei Patienten mit KHK oder KHK-Äquivalent einer moderateren LDL-Reduktion überlegen sind, werden Leitlinien zur Lipidtherapie unzureichend umgesetzt.

Dies hat Professor Markus Haass vom Theresienkrankenhaus in Mannheim bei einer vom Unternehmen MSD unterstützten Veranstaltung in Wiesbaden kritisiert.

In den amerikanischen Leitlinien des NCEP ATP III (National Cholesterol Education Program - Adult Treatment Panel III) von 2001 galten für Hochrisikopatienten noch LDL-Zielwerte von unter 100 mg/dl, seit 2004 empfehlen die Experten LDL-Werte von 70mg/dl als optionales Therapieziel für solche Patienten (Circulation 2004, 110, 227).

Und: Die medikamentöse Therapie sollte ab einem LDL-Cholesterinwert von 100mg/dl und nicht erst bei 130mg/dl begonnen werden, so Haass.

Für Patienten mit moderatem Risiko, also mit mindestens zwei Risikofaktoren und einem 10-Jahres-Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse von weniger als 20 Prozent, werden heute optional LDL-Zielwerte von unter 100mg/dl formuliert.

Die Wirklichkeit sei davon weit entfernt, so Haass. Mehreren Untersuchungen zufolge erreicht im Praxisalltag nur die Hälfte der Patienten mit der Therapie die empfohlenen Zielwerte, und nur 60 Prozent der Patienten mit zu hohen Cholesterinwerten werden überhaupt behandelt.

Die Gründe dafür liegen nach Ansicht des Kardiologen in der mangelnden Kenntnis der Leitlinien, in der fehlenden Adaptation der Statindosis an die Lipidwerte, in der ausschließlichen Bestimmung des Gesamtcholesterins, in den Behandlungskosten, in der Furcht vor unerwünschten Wirkungen sowie in der mangelnden Compliance.

Mit der Standarddosierung eines Statins wird das LDL-Cholesterin um etwa 25 bis 35 Prozent und damit für viele Patienten nicht ausreichend gesenkt. Damit die Zielwerte erreicht werden, sei oft eine kombinierte Therapie erforderlich, so Haass.

So senkt die Behandlung mit dem Cholesterinresorptions-Hemmer Ezetimib zusammen mit Simvastatin (Inegy®) das LDL-Cholesterin stärker als eine Statin-Monotherapie, bei der höchsten Dosis (10mg Ezetimib/80mg Simvastatin) etwa um 61 Prozent.

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