Ärzte Zeitung, 08.09.2005

Gefäßkranke Frauen schlechter dran als Männer

BERLIN (gvg). Bei Prophylaxe und Therapie von Patienten mit kardiovaskulären Ereignissen schneiden Frauen schlecht ab: Sie werden seltener adäquat behandelt und haben eine höhere Sterblichkeit als Männer. Neue Studiendaten aus Berlin untermauern die suboptimale Versorgungslage erneut.

Aus Anlaß der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) präsentierte Dr. Anne Hinrichs vom Vivantes-Klinikum Berlin-Friedrichshain aktuelle Zahlen aus dem Berliner Herzinfarktregister. Demnach werden Frauen nach einem Myokardinfarkt seltener den kardiologischen Therapieleitlinien entsprechend behandelt.

Hinrichs nannte zwei Beispiele: Zwei Drittel der männlichen Infarktpatienten erhalten einen Hemmstoff der Cholesterinsynthese. Bei den Frauen ist es nicht einmal die Hälfte. Sieben von zehn Männern werden mit Hilfe der Ballondilatation behandelt. Bei den Frauen sind es weniger als 50 Prozent. Das Risiko, nach einem Infarkt zu sterben, ist für Frauen um 30 Prozent höher. Die Mortalität nach Bypass-Operationen liegt mit 3,8 Prozent anderthalb mal so hoch wie bei Männern.

Mehr Männer erhielten in US-Studie Thrombose-Prophylaxe

Eine Benachteiligung weiblicher Patienten sei in der Gefäßmedizin aber auch jenseits der Kardiologie nachweisbar, wie Hinrichs betonte. So belege eine aktuelle Studie aus den USA, an der 5421 Patienten in Kliniken mit unterschiedlichen Beschwerden teilnahmen, daß die Zahl der Männer, die eine Thrombose-Prophylaxe erhielten, um ein Fünftel höher lag als die Zahl der Frauen. Für die Berechnung dieser Quote wurde natürlich auf eine gleichmäßige Verteilung von Erkrankungen oder Aufnahme-Indikationen und auf eine gleiche Altersstruktur in beiden Gruppen geachtet.

Vielleicht sind Frauen leidensfähiger als Männer

"Über die Gründe für diese Unterschiede kann derzeit nur spekuliert werden", so Hinrichs. Möglicherweise seien Frauen leidensfähiger und würden deswegen als weniger gefährdet wahrgenommen, mit entsprechenden Konsequenzen für das gewählte Therapieregime.

Die 34. Jahrestagung der DGA in Berlin endet am 10. September. Außer um die unterschiedliche Versorgung bei Männern und Frauen geht es schwerpunktmäßig um die arterielle Verschlußkrankheit und um angiologische Notfälle.

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