Ärzte Zeitung, 11.07.2006

Infarktpatienten profitieren von Stammzellinfusion

Linksventrikuläre Auswurffraktion erhöhte sich nach der Therapie signifikant / Langzeitergebnisse stehen noch aus

WIESBADEN (grue). Die regenerative Therapie von Patienten mit Herzerkrankungen ist in greifbare Nähe gerückt. Großen Anteil daran hat die deutsche REPAIR-AMI-Studie. Darin wurde die intrakoronare Infusion von Knochenmark-Stammzellen nach Herzinfarkt untersucht.

Hämatopoetische Stammzellen außerhalb der Gefäße in den Poren von Kollagenkugeln. Foto: Forschungszentrum Jülich

Die REPAIR-AMI-Studie ist weltweit die erste Studie, in der doppelblind und prospektiv die Wirkung von Stammzellen auf die Pumpfunktion des Herzens untersucht worden ist. An der Studie haben 200 Patienten mit ST-Hebungs-Infarkt nach erfolgreicher Reperfusion teilgenommen.

Bei ihnen wurde mit Lokalanästhesie das Knochenmark punktiert, und es wurden daraus Stammzellen gewonnen. Nach drei bis sechs Tagen erhielten die Patienten die gereinigte und aufbereitete Zellsuspension über einen Herzkatheter zurück.

Dadurch erhöhte sich innerhalb von vier Monaten die linksventrikuläre Auswurffraktion um 5,5 Prozent, in der Placebo-Gruppe waren es nur drei Prozent. "Der Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant, wobei Patienten mit großem Infarkt am meisten von den Stammzellen profitierten", sagte Privatdozent Dr. Volker Schächinger aus Frankfurt/Main auf einer Veranstaltung in Wiesbaden.

Die im Prinzip einfache Stammzelltherapie verhindere auch die Umbauvorgänge am Herzen, so der Kardiologe. Dabei wandeln sich die Stammzellen offenbar nicht in Herzmuskelzellen um, sondern erhöhen durch Gefäßneubildung die Koronardurchblutung.

Ganz ausgereift ist das Verfahren noch nicht, zumal eine andere Studie weniger erfolgreich verlaufen ist und Langzeitergebnisse noch ausstehen. "Vermutlich muß noch einiges modifiziert und standardisiert werden, unter anderem die Zellaufbereitung und der zeitliche Ablauf der Behandlung", sagte Schächinger. Schon jetzt zeichne sich ab, daß die Therapie mit einem Abstand von etwa fünf Tagen zum Ereignis am effektivsten ist.

Dann hat sowohl das Knochenmark als auch das Myokardgewebe den Streß des Infarktes überstanden. Die Stammzelltherapie biete Infarkt-Patienten ganz neue Perspektiven, so Schächiger: Denn damit kann die Herzfunktion regeneriert werden. Mit Medikamenten ist nur eine Schadensbegrenzung möglich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »