Ärzte Zeitung, 01.12.2006

Neuer Stent mit Antikörpern in ersten Pilotstudien geprüft

Gefäßstütze lockt zirkulierende Progenitorzellen an / Trotz schneller Einheilung ist die Restenose-Rate gering / Nitrat beugt Restenosen vor

KÖLN (grue). Ein mit Antikörpern beschichteter Koronarstent soll das Risiko für späte Stentthrombosen verringern. Die Beschichtung lockt endotheliale Progenitorzellen an, die für eine schnelle Einheilung des Stents sorgen.

Koronarangiographie: Hochgradige Stenose in der linken Koronararterie - ein Fall für eine perkutane Intervention. Foto: General Electric

Mit konventionellen Stents dauert es zwar auch nur vier Wochen, bis die Metallstreben von Endothel überzogen sind, aber das Risiko für Stenosen im Stent-Bereich ist relativ hoch. Eine Alternative sind Stents, die mit Zytostatika beschichtet sind und die Proliferation von Gefäßmuskelzellen hemmen.

"Damit bleiben die Gefäße offen und es sind weniger Revaskularisierungen nötig, allerdings verhindert die Beschichtung auch die zügige endotheliale Einheilung dieser Stents", sagte Professor Sigmund Silber aus München. "Die Achillesferse der medikamenten-freisetzenden Stents ist das Risiko der späten Stentthrombose", sagte der Kardiologe bei einer vom Unternehmen Actavis organisierten Veranstaltung in Köln. Um es zu verringern, brauchen Patienten außer ASS noch sechs oder besser zwölf Monate Clopidogrel.

Darauf kann vermutlich verzichtet werden, wenn Patienten mit dem sogenannten HEALING-Stent versorgt werden. "Das ist ein Stent, der rasch einheilt und trotzdem wenig Re-Stenosen verursacht", berichtete Silber. Der neuartige Stent hat auf seiner Oberfläche Antikörper gegen CD34, das zirkulierende endotheliale Progenitorzellen (EPC) aus dem Blut anlockt.

Die aktive EPC-Anreicherung führt zu einer raschen Endothelisierung und verringert dadurch das Risiko für späte Stentthrombosen. "Vermutlich bremst das Endothel auch die Fremdkörperreaktion und somit die Entwicklung einer In-Stent-Restenose", sagte Silber.

In zwei Pilotstudien mit dem neuen Stent hing die Revaskularisations-Rate aber von der Menge der EPC im Blut ab. Die Produktion der Zellen kann durch Training oder durch Statine und Nitrate angekurbelt werden. Von den Nitraten ist PETN (Pentaerythrityltetranitrat, Pentalong®) nach Angaben von Silber das einzige, das außer der Menge auch die Funktion der EPC positiv beeinflußt. "Bei normalen und hohen EPC-Spiegeln sind mit dem Stent gute Ergebnisse zu erwarten" sagte Silber. So gab es bei 25 Patienten sechs Monate nach der Implantation keine binären Restenosen oder späte Stentthrombosen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »