Ärzte Zeitung, 24.01.2007

KOMMENTAR

Bei KHK nicht nur ans Herz denken!

Von Thomas Müller

Das wird schon wieder! Dies dürfte eine häufige Reaktion sein, wenn Patienten nach einem Herzinfarkt depressiv werden. Schließlich ist es allzu verständlich, dass jemand trübsinnig wird, wenn er durch ein solches Ereignis aus seinem bisherigen Leben gerissen wird. Doch es bei einer gut gemeinten Aufmunterung zu belassen, ist in doppelter Hinsicht falsch.

Zum einen sind viele KHK-Patienten schon vor dem Infarkt depressiv: Das Ereignis verstärkt oft nur eine bestehende Depression. Zum anderen ist die Gefahr bei depressiven Patienten dreifach erhöht, an ihrer KHK zu sterben. KHK-Patienten mit einer Depression sollten also dringend antidepressiv behandelt werden, egal, was die Ursache der Depression ist.

Auch bei Herz-Patienten gelingt dies am einfachsten mit modernen Antidepressiva, hat jetzt eine Studie bestätigt. Der Nutzen einer Psychotherapie ließ sich dagegen in dieser Studie nicht belegen. Das muss nicht heißen, dass eine Psychotherapie nichts bringt - in anderen Studien war eine Psychotherapie plus Medikamententherapie am effektivsten.

Mit einer Antidepressiva-Behandlung sind Ärzte jedenfalls auf der sicheren Seite - und können Leben retten. Zwar ist die Datenlage dafür noch dünn, doch zumindest in einer Studie ließ sich die kardial bedingte Sterblichkeit mit einer Antidepressiva-Therapie um 42 Prozent reduzieren. Das sollte Grund genug sein, bei KHK nicht nur ans Herz zu denken.

Lesen Sie dazu auch:
KHK-Patienten nützt Therapie gegen Depression

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