Ärzte Zeitung, 13.04.2007

Mikrobläschen plus Ultraschall machen Ischämie sichtbar

In Zukunft könnten mit neuer nicht-invasiver Methode Ischämien bei Koronarsyndrom identifiziert werden / Neue Studie aus den USA vorgestellt

MANNHEIM (cin). Innovative Diagnosetechniken sind für Kardiologen nicht mehr nur Zukunftsvision. So könnten etwa bald bei Ultraschalluntersuchungen mit markierten Mikrobläschen kardiale Ischämien diagnostiziert werden, auch wenn es noch keine manifeste Infarzie- rung gibt.

Bildgebende Verfahren sind in diesem Jahr ein Schwerpunkt bei der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, die gestern begonnen hat.

Ein Beispiel für eine neue bildgebende Methode ist der Ultraschall in Kombination mit Microbubbles, also kleinen Bläschen. Mit dem Verfahren könnte bei Patienten mit unklaren Brustschmerzen ein akutes Koronarsyndrom schon in frühem Stadium diagnostiziert werden. Wie diese Methode funktioniert, hat Dr. Flordeliza S. Villanueva vom Kardiologischen Institut der Universität Pittsburgh beim Kardiologenkongress in Mannheim berichtet.

"Patienten mit Brustschmerzen bei akutem Koronarsyndrom sind eine diagnostische Herausforderung", so Villanueva. Das EKG weise oft keine oder keine eindeutigen Veränderungen auf und führe deshalb nicht zur Diagnose. Zudem seien die Werte der Herzenzyme meist unverändert, wenn es noch keine Nekrose gegeben habe. Für diese Patienten hat Villanueva eine interessante diagnostische Option vorgestellt, die bald zum Einsatz kommen könnte: Ultraschall mit Mikrobläschen.

Das Prinzip ist einfach: Die als Kontrastmittel genutzten Lipid-Mikrobläschen werden auf der Oberfläche mit speziellen Zuckermolekülen versehen (Sialyl Lewisx). Von diesen Zuckermolekülen ist bekannt, dass sie sich mit Adhäsionsmolekülen, den Selektinen, verbinden. Solche Adhäsionsmoleküle sind etwa auch auf Leukozyten vorhanden.

Kommt es nun zu einer myokardialen Ischämie, steigt meist die Zahl der endothelialen Selektine. Und: Auch nach der ischämischen Episode ist ihre Zahl noch erhöht.

Das Forscherteam um Villanueva vermutete: Nach einer Myokardischämie interagieren die mit den speziellen Zuckermolekülen versehenen Mikrobläschen mit den endothelialen Selektinen. Ischämische Areale können dann per Echokardiografie dargestellt werden, weil sich in diesen Arealen die als Kontrastmittel fungierenden Mikrobläschen vorübergehend konzentrieren. Und das funktioniert tatsächlich - zumindest bei Ratten. Das haben die Forscher in der jetzt veröffentlichten Studie belegt (Circulation 115, 2007, 345).

Die Methode eigne sich nicht nur zur Dignostik von myokardialen Ischämien, so Villanueva. Sie stellte noch weitere Optionen vor. So könnten Mikrobläschen auch mit anderen Stoffen, etwa mit Antikörpern, gekoppelt werden. Solche mit Antikörpern gekoppelte Bläschen können zum Beispiel Entzündungen und Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen sichtbar machen.

Bis Samstag treffen sich 5000 Kardiologen aus aller Welt in Mannheim.

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KHK / Herzinfarkt (1976)

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