Ärzte Zeitung, 16.04.2008

Für Enoxaparin Langzeitvorteile nach Infarkt

Mit niedermolekularem Heparin weniger Todesfälle und Reinfarkte bei Herzinfarkt-Patienten im ersten Jahr

MANNHEIM (grue). Durch eine gerinnungshemmende Therapie mit Enoxaparin werden bei akutem Koronarsyndrom mehr Todesfälle verhindert als mit unfraktioniertem Heparin (UFH). Das gilt auch für das erste Jahr nach dem Herzinfarkt.

Den Langzeitvorteil für das niedermolekulare Heparin Enoxaparin (Clexane®) belegen die Einjahresergebnisse der Studie ExTRACT-TIMI 25*, die Professor Christoph Bode aus Freiburg bei einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis in Mannheim vorgestellt hat. An der Studie hatten über 20 000 Patienten mit ST-Hebungs-Infarkt teilgenommen, bei denen eine Lysetherapie vorgesehen war. Sie erhielten entweder UFH für mindestens zwei Tage oder Enoxaparin für bis zu acht Tage. "Es handelt sich somit um einen Vergleich zweier möglicher Therapiestrategien, von denen sich die zeitlich gestreckte Behandlung mit Enoxaparin als die effektivere herausgestellt hat", so Bode. Unter Enoxaparin kamen im Vergleich zu UFH innerhalb von 30 Tagen 17 Prozent weniger Todesfälle oder Reinfarkte vor (9,9 versus 12 Prozent).

Auch nach einem Jahr war die Enoxaparin-Gruppe in diesem Punkt mit Raten von 15,8 versus 17 Prozent im Vorteil. Das Risiko für schwere Blutungen in den ersten 30 Tagen war bei Enoxaparin mit 2,1 versus 1,4 Prozent leicht erhöht, aber insgesamt gering.

Wie Bode berichtet hat, war Enoxaparin auch in den Subgruppenanalysen bei Patienten mit später erfolgter Koronarintervention, mit Diabetes oder mit Niereninsuffizienz durchweg effektiver als UFH. Dabei sei es wichtig, bei Patienten mit Zusatzkrankheiten wie Diabetes und Niereninsuffizienz die Empfehlungen zur Dauer und Dosierung von Antikoagulantien zu beachten.

"Die Studie hat gezeigt, dass niedermolekulares Heparin für Infarktpatienten mit Indikation zur Lyse eine gute Wahl ist", so Bode. Der Anwendungsbereich für Enoxaparin wurde auf Basis der Studienergebnisse bereits erweitert: Der Gerinnungshemmer kann damit nun auch zur Behandlung von Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt angewendet werden, sofern eine Lysetherapie oder eine Lyse gefolgt von einer Koronarintervention geplant ist.

*EXTRACT-TMI 25 bedeutet Enoxaparin and Thrombosis Reperfusion for Acute Myocardial Infarction Treatment, Thrombolysis in Myocardial Infarction-Study 25

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »